Neuer Volks-Sport – Landwirte Bashing


Landwirte eine bedrohte Spezies

Landwirte gibt es immer weniger. Die Betriebe müssen wachsen um ein sinnvolles Familien Einkommen zu erwirtschaften. In unserem Artikel “Begleiterscheinungen des Fortschritts” haben wir ausführlich die Ursachen beleuchtet.

Landwirt eine bedrohte Spezies

Draufhauen bringt Wählerstimmen

Der Beruf Landwirt wird zu einem immer selteneren. Das hat unschöne Auswirkungen. Kleine Berufsgruppen sind in einer Demokratie immer gut geeignet, um als Sündenböcke oder Prügelknaben her zu halten. Ob das die angeblich so überbezahlten und geldgierigen Ärzte, oder eben die Tiere quälenden und Landschaft verseuchenden Landwirte sind. Politiker die auf solche Berufsgruppen einprügeln gewinnen oft mehr Stimmen als sie in der verdroschenen Klientel verlieren. Aber Politiker sind auch schlau. Es muss ein negative Stimmung in der Gesamtbevölkerung gegenüber der verprügelten Berufsgruppe herrschen, die man ausnutzen kann.

Dreschen mit Dreschflegel

Drauf Hauen bringt Wählerstimmren

Negative Stimmung gegen Landwirte dank extremistischer Tierschützer

Dank extremistischer Tierschützer ist die Stimmung gegen eine moderne und effektive Landwirtschaft inzwischen in weiten Teilen der Bevölkerung negativ aufgeladen. Die meisten Menschen in der Stadt kennen Agrarbetriebe nur aus dem Fernsehen und da herrschen laut Sabine Leopold nur zwei Lager.

“Es gehört inzwischen zum guten Ton bei ARD und ZDF, zu Fragen rund um die landwirtschaftliche Praxis ausnahmslos Ökohöfe vorzustellen. Als Agrarexperten werden nicht selten Aussteiger mit Nebenerwerbslandwirtschaft präsentiert. Und im quotenträchtigen Tatort oder den beliebten Vorabendkrimis ist ein Bauer entweder ein von Profitgier zerfressener Verbrecher – und in diesem Falle natürlich Massentierhalter (der gern mal atemberaubende 100 Kühe oder 500 Sauen im Stall hat).”

Agrarfabriken

Nur wenige auflagenstarke Zeitungen berichten positiv über die Landwirtschaft. Ganz sicher nicht die Boulevardblätter. Schweinepest, Lebensmittelskandale und Diskussionen über hohe Subventionen von Agrarbetrieben tun ihr übriges, um die Landwirte sturmreif zu schießen. Ein fortschrittlich und erfolgreich wirtschaftender landwirtschaftlicher Unternehmer ist im Gegensatz zu einem vergleichbaren Unternehmer aus dem Maschinenbau ein profitgieriger, vom Tierleid lebender Ausbeuter.

Gegenmaßnahmen

Doch was kann die Berufsgruppe dagegen tun?

Eingraben und Selbstmitleid helfen in dieser Situation wenig. Aktion ist gefragt und zwar Kommunikation und Aufklärung. Die Landwirte müssen einsehen, das sie zukünftig Zeit und Geld in Kommunikation investieren müssen, auch wenn das bei beiden Ressourcen schwer fällt. Die ersten Ansätze einzelner Betriebe gibt es bereits.

Aber das ist zu wenig. Als Einzelkämpfer kann man sich eine dezent bessere Position als der Mitbewerber oder Berufskollege verschaffen. Nur kommt man damit nicht gegen die sehr gut organisierte moderne und leider militante Tierschutz-Lobby an. Diese Menschen sind mit den Mitteln und Möglichkeiten des modernen Internets bestens vertraut und spielen virtuos auf der Klaviatur der Vernetzung. Dem haben die Landwirte medientechnisch leider nichts entgegen zu setzen.

Berufsvertretung agiert jenseits des digitalen Grabens

Eigene Organisationen wie der Bauernverband und ähnliche werden meist von der Generation jenseits der 50 hierarchisch geführt. In dieser Altersklasse ist das Internet und dessen Möglichkeiten aber noch “Neuland”, wie es die Bundeskanzlerin so plakativ ausgedrückt hat. Dort wird noch mit alten, im Internet aber wirkungslosen Instrumenten, wie Pressemeldung und der Bewirtschaftung von Fachverlagen agiert. Den Präsidenten des Bauernverbandes bekommt man im Fernsehen auch nur zu Themen wie Subventionen oder Lebensmittelskandalen zu sehen.

Merkel im Neuland

Die ersten zarten Versuche der jüngeren und jenseits des digitalen Grabens agierenden Landwirtinnen und Landwirte sind meist zaghaft und haben daher auch keine große Wirkung und damit Erfolg.

Landwirte müssen mehr Netzwerken

Damit das Bild der modernen Landwirtschaft in der Bevölkerung zu dem wird, das die Realität wider spiegelt, müssen die Landwirte lernen sich im Internet zu Netzwerken zusammen zu schließen. Es müssen genügend Landwirte Zeit finden, sich in sachlichen Argumentationen mit den Gegnern der Landwirtschaft auf sozialen Netzwerken zu messen, um die lauschende Menge zu überzeugen. Einige wenige Landwirte, wie Markus Holtkötter ( @bauerholti ) tun das bereits sehr erfolgreich und sollten von den Verbänden massiv in ihrem Tun unterstützt werden. Ein moderner Landwirt muss heute schon sehr viel wissen und lernen. Ab sofort sollte auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit innerhalb und außerhalb des Internets ein Baustein in der Ausbildung sein.

Die lauschende Menge

Das fordert auch Sabine Leopold am Ende ihres sehr lesenswerten Artikels:

Keine falsche Zurückhaltung

Am Ende hilft wohl nur mitdenken – und mitreden. Dabei geht es vor allem darum, sich nicht in eine Verteidigungshaltung drängen zu lassen. Verdachtsmomente und Vorurteile, die einmal im Raum stehen, sind schwer zu bekämpfen.

Share your dreams

Wer sich berufen fühlt bei dieser nicht eben leichten Aufgabe mit zu machen, kann hier auf diesem Blog anfangen. Wir unterstützen Euch gerne mit Know How und Rat. Lasst uns ein Netzwerk von modernen Landwirten aufbauen, um ein zeitgemäßes Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Zeitgemaesses Bild der Landwirtschaft

11 Gedanken zu „Neuer Volks-Sport – Landwirte Bashing

  1. Pingback: Landwirte wehren sich gegen eine falsche Darstellung in der Öffentlichkeit | plus-me.at

  2. Pingback: Landwissen.de | Wahlzeit heißt auch Zeit für Stimmungsmache!

  3. tmsidr

    Die Landwirte verderben es sich aber auch zu leicht selber.

    Pflügen Randstreifen um, obwohl diese sogar gefördert wurden,
    Pflanzen buchstäblich bis an die Straße wobei die Randflächen der Bevölkerung bzw. der Gemeinde gehört,
    Spritzen zusätzlich noch Gift in die Landwirtschaft kurz vor der Ernte obwohl die Verbraucher gegen Gift sind und das nur damit die Pflanzen absterben und so schneller trocknen,

    halten sich nicht an die Anweisungen zu Spritzmitteln und spritzen z.B. auch wenn Insektenbeflug ist obwohl genau das verboten ist,

    bringen immer mehr Gülle auf den Äckern obwohl die Nitratbelastung in den umliegenden Gewässern erheblich zu hoch ist (Randstreifen),

    pumpen Wasser aus den Flüssen um die Äcker wegen Trockenheit zu bewässern so das Wasser in den Flüssen fehlt wobei vor ein paar Jahren dieser Acker noch mit einer Drainage versehen wurde (oft sogar Illegal),

    machen eine Mais und Rapswüste nach der anderen wo nicht mal mehr Radtouren Spaß machen, (als Kind konnte ich noch Blumen am Rand pflücken)

    und vor allem! Die sind immer am Klagen egal welches Wetter ist, ziehen dabei aber ein Gebäude nach dem anderen auf dem Land hoch…..
    und und und….

    Das sind alles Steilvorlagen die von den Blättern nur zu gerne aufgenommen werden.

    Dabei lässt sich nahezu alles sehr schnell abstellen

    Antwort
    1. Hannes Schleeh Autor

      Das ist mir zu schwarz weiß! Sicher gibt es all diese Dinge in der Landwirtschaft, die Du anführst. Aber die Mehrzahl der Landwirte arbeitet ordentlich. Leider werden von den Medien oft nur die negativen Fälle veröffentlicht.

      Hast du denn schon mal mit dem Landwirt das Gespräch gesucht, der solche Verfehlungen aus Deiner Sicht begangen hat?

      Antwort
  4. Pingback: Neuer Volks-Sport – Landwirte Bashing | Die Agrar-Blogger | unfiltriert.de

  5. Normal

    Statt zu jammern könnten die Landwirte und der Verände doch versuchen das Image des Landwirtes/der Landwirtschaft aufzupolieren. Die Möglichkeiten sind doch recht vielfältig:
    Zusammenarbeit mit Tierschutzvereinen, die selbstständlich die Komplexität eines landwirschaftlichen Betriebes gehen (davon gibt es tatsächlich welche und nicht alle sind Tierschützer verbohrt:-))
    Bauernverbände sollten massiv in die Öffentlichkeit gehen und Unterstützung von der Politik für eine Umstellung von Massentierhaltung auf extensive Tierhaltung verlangen.
    Die Kirche bei der Imagepflege mit einspannen, da das Wohl tierischen Lebens eine christliche Verankerung hat, auch hier sollten die Landwirte nichts unversucht lassen um Unterstützung (auch finanziell) einzufordern. Hier würde man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, würde nämlich auch das Image der Kirche aufpolieren.
    Es gibt so viele Möglichkeiten etwas zu tun, als zu jammern!
    Aber statt dessen sehe ich gerade im Raum Dorsten/Lembeck/Rhade wie immer mehr Schweinemastställe und Kuhlaufställe (statt Weidehaltung) wie Pilze aus dem Boden schießen und das bei den Bauern, die sich auch noch christlich nennen. Warum diese Bauern nicht auf eine extensive/artgerechte Tierhaltung (Weidehaltung o. ä.) Umstellen ist mir unbegreiflich, aber Haupsache der Gewinn ist so hoch wie möglich. Ein Bauer sagte mir doch tatsächlich diese Haltung ist für die Schweine und Kühe besser als Weidehaltung, das grenzt schon anVolkderdummung. Solange hier kein Entgegenkommen der Landwirte/Verbände zu verzeichnen ist, wird sich auch am Image der deutschen Landwirtschaft, gerade in NRW, nichts ändern. In Mecklenburg-Vorpommern sieht es glückerweise etwas anders aus, daher fällt hier das Image der Landwirte/Landlandwirtschaft auch positiver aus. Und man erkennt hier das artgerechte Tierhaltung (Weidehaltung u. ä.) ist möglich und man kann sogar davon gut leben, wenn man nicht allzu gewinngierig ist.

    Antwort
    1. Marek Brandt

      Hallo ich bin Landwirt in Schleswig-Holstein ist einer von euch mal auf einen Betrieb gegangen und hat mal nach gefragt warum das so ist das keine weidenhaltung mehr möglich ist und es nicht mehr gemacht wird. Außerdem fordert der verbraucher doch immer mehr sprich vor allem Fleisch der Konsum von Fleisch wächst und die preise steigen in der herstellung für die landwirte. Landwirtschaft kostet viel geld und mann muss heutzutage wachsen damit mann nicht untergeht weil besonders Landtechnik und Futter und Tiermedizin kostet viel geld. das Schlimste ist im fernsehn Wird selten die realität dargestellt bestes Beispiel Bauer sucht Frau ja wenn den Menschen das so zeigt als were alles so einfach denn schreit mann den landwirten nach stellt euch mal nicht so an aber kaum einer war jemals auf einem richtigen betrieb und hat sich mal angeguckt was die landwirte in Deutschland und der welt so 7 tage die woche 24 Stunden am tag und 365 tage im jahr leisten nur damit alle anderen menschen jeden tag ihr essen auf den tisch bekommen und die kühlschränke immer voll sind.es wird uns nicht gedankt das wir so viel leisten und den wird gemekert mann muss manchmal auch mal sehen in der realität das mann manche gesätze im altag garnicht durchsetzen kann und alle können sie mekkern aber 1 monat auf einem betrieb zu arbeit und zu planen alles was dazugehört bekommt warscheinlich kaum einer hin. Also leute haltet alle mal den Ball flach solange nicht jeder sich mal auf einem hof sich mal ein bild gemacht hat und nicht alle landwirte als schwarze schaafe darstellt weil es sind nicht alle landwirte schlecht

      Antwort
  6. Normal

    Das die Arbeit eines Landwirts kein Zuckerschlecken, sondern verdammt harte Arbeit ist, ist sicher auch selbst demjenigen klar, der mit Landwirtschaft nichts zu tun hat, sondern sich einfach mal informiert oder einen Bauernhof besucht.

    Aber nichts desto trotz, die Argumentationskette: „Weidehaltung ist zu kostenintensiv, nur mit Massentierhaltung kann der Landwirt „überleben“ ergänzt um den Hinweis, dass der der Verbraucher billiges Fleisch will und deshalb müssen die Tiere eben so gehalten werden“, ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Rechtfertigt billiges Fleisch denn derartige Tierhaltung? Es handelt sich hierbei um schmerz empfindende Wesen, die gerade weil sie dem Menschen dienen, doch mit größtem Respekt zu behandeln sind! Ich bleibe dabei: Es ist definitiv möglich auf Weidehaltung umzustellen und von der Massentierhaltung abzusehen In Schweden funktioniert es, zumindest zum Teil, doch auch! Und es sieht nicht so aus als würde es dem Schweden schaden:-)

    Im Übrigen geht ein großer Teil der Fleischproduktion eh nach China, primär beeinflusst eben nicht der deutsche „Billig-Fleisch-Konsument“ den Preis.

    Viele Verbraucher wissen gar nicht (oder wollen es auch aus Selbstschutz gar nicht wissen) wie elend es die Schweine in der Massentierhaltung (Spaltenböden, Kastration ohne Betäubung, Schwanz abschneiden ohne Betäubung etc., etc.,) haben, sonst würden so manch einer seinen Fleischkonsum reduzieren.
    Auffällig ist auch, dass in vielen Landwirtschaftsforen/Blogs u. ä. ersichtlich ist, dass der konventionelle Landwirt überhaupt kein Interesse daran zeigt sich mit den Argumenten von Tierschutzverbänden u. ä. auseinanderzusetzen. Stattdessen liest sich gebetsmühlenartig die Argumentation: der Verbraucher will billiges Fleisch, der Landwirt muss um dies zu produzieren die Massentierhaltung betreiben und kann Kühen keine Weidehaltung gewähren.
    Fazit: Hauptsache die Existenz ist gesichert, auch wenn es auf Kosten der Tiere geht, es sind ja nur Lebewesen, bei denen der Mensch das Recht hat, sie unwürdig zu behandeln und Schmerzen zuzufügen.
    Und weiterhin wundert sich der Landwirt das sein Image sich verschlechtert.

    Antwort
    1. Hannes Schleeh Autor

      Die Argumente von Tierschützern sind teilweise derart radikal und undurchführbar, das es sich gar nicht lohnt sich damit auseinander zu setzen. Die Diskussion wird mit einem schon fast religiös anmutenden missionarischen Eifer betrieben. Da gibt es wenig Landwirte die darauf Lust haben. Von außen betrachtet sieht Landwirtschaft ganz anders aus. Ich rate jedem Tierschützer doch einmal einen Monat auf einem Landwirtschaftlichen Betrieb zu arbeiten. Dann kann er wenigstens ein bisschen mitreden. Mit ständigen Vorwürfen und Verallgemeinerungen ist niemandem geholfen. Schön wäre auch, wenn alle hier mit ihrem richtigen Namen ansprechbar wären, Herr oder Frau Normal!

      Antwort
  7. Pingback: Wachse oder Weiche – Landwirtschaft im Umbruch | Die Agrar-Blogger

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