Zunehmende Entfremdung – Landwirtschaft und der Vegetarismus


Landwirtschaft und die Krux mit der Effizienz

Immer mehr Menschen leben in den Städten und immer weniger Menschen sind in der Urproduktion und der Landwirtschaft tätig. Uns geht es heute so gut wie noch nie zuvor. Der tägliche Kampf ums Essen und ums Überleben ist Dank moderner Technik nicht mehr notwendig.

Spargel

By Muffet (Asparagus) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Immer mehr Menschen wollen ganz genau wissen, woher ihr tägliches Brot stammt und wie es hergestellt wird. Ob das Lebensmittelskandale oder negative Berichte in den Medien sind. Anlässe um die Nahrungsmittelproduktion zu hinterfragen gibt es genug. Der Abstand der meisten Menschen zur Urproduktion ist in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft so groß wie nie.

Daraus resultiert eine zunehmende Entfremdung der meisten Menschen von der Landwirtschaft und der nachgelagerten Lebensmittelverarbeitung. Wie heute ein Schwein für den Schinken gemästet, oder eine Kuh für die Milchproduktion gehalten wird wissen die wenigsten.

Offenstall

Offenstall Foto: Schleeh

Beim Schlachten eines Nutztieres zugesehen haben noch viel weniger Menschen. Aus hygienischen Gründen und wegen der Lebensmittelsicherheit wird das Töten und Verarbeiten der Nutztiere nur noch unter hohen Auflagen der Europäischen Union zugelassen. Deshalb findet es nicht mehr wie früher überall in der Nachbarschaft, sondern nur noch in zertifizierten Schlachthöfen statt. Tiere selbst zu töten oder dabei zusehen zu müssen gefällt den wenigsten Menschen. Nicht umsonst ist Kopfschlächter ein sehr unbeliebter Beruf und wird in Deutschland fast überwiegend von Arbeitern aus dem Ausland erledigt. Selbst im Fernsehen bekommt man Bilder aus einem Schlachthof nur in seltenen Fällen gezeigt. Wenn dann sind es meist investigative Reportagen zur Aufdeckung von unhaltbaren Zuständen.

Die heutige moderne Landwirtschaft mit ihrer hohen Effizienz in der Produktion erschreckt die meisten Menschen. Viele haben noch den Hof ihrer Großeltern im Kopf, von dem aber heute niemand mehr leben könnte. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist massiv zurück gegangen und schrumpft weiter. Denn um eine Familie zu ernähren, ist der landwirtschaftliche Unternehmer gezwungen zu wachsen und weiter an der Effizienz zu drehen. Das bedeutet nicht unbedingt schlechtere Verhältnisse für die Tiere, denn der Erfolg hängt massiv vom Tierwohl ab. Nur gesunde und zufriedene Tiere bedeuten qualitativ hochwertige Produkte.

Darf man Tiere nur zum Nutzen des Menschen halten?

Produkte aus Tieren? Wer sich bei diesem Gedanken als Mensch aus der Stadt in die Lage eines Nutztieres versetzt, bekommt häufig das Grauen. Aber mit der Vermenschlichung von Tieren wachsen wir heute auf. In den Filmen von Hollywood und Disney können Tiere sprechen und zeigen menschliche Charakterzüge und Reaktionen. Deshalb auch die Forderung von Ranga Yogeshwar am Ende der Sendung Quarks und Kuh, man solle jeder Kuh einen Namen geben. Niemand würde auf die Idee kommen seinen Hund oder seine Katze zu schlachten und auf den Grill zu legen. Tiere kennen die Menschen außerhalb der Landwirtschaft nur als nahe Freunde. Daraus resultiert, dass viele es nicht ertragen können am Tod von Tieren beteiligt zu sein. Die Schuld und der Ekel darüber lassen sie zu Vegetrariern oder sogar Veganern werden. Die Zahl der vegetarisch und vegan lebenden Menschen nimmt gefühlt immer mehr zu.

Webcambild aus dem Stall von Andrea Rahn-Farr

Webcambild aus dem Kuh-Stall

Veganismus und Speziesismus zwei sperrige Begriffe

Zur Definition von Veganismus findet man bei Wikipedia:

Veganismus ist eine aus dem Vegetarismus hervorgegangene Einstellung, Lebens- und Ernährungsweise. Der Veganismus lehnt eine Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ab. Vegan lebende Menschen meiden entweder zumindest alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs oder aber die Nutzung tierischer Produkte insgesamt. Ethisch motivierte Veganer achten zumeist auch bei Kleidung und anderen Gegenständen des Alltags darauf, dass diese frei von Tierprodukten und Tierversuchen sind.

Speziesismus ist ein Vorwurf der Veganer an die Mehrheit der Menschen, die nicht so leben wollen oder können wie die Veganer selbst.

Wikipedia erklärt:

“Der Neologismus Speziesismus (aus Spezies und -ismus)….hat als theoretische Konzeption insbesondere in einen Teil der Tierbefreiungsbewegung und in die Tierethik Eingang gefunden….. Es wird davon ausgegangen, dass die Unterteilung in Spezies ein soziales Konstrukt sei. Dabei wird Speziesismus als Unterdrückungsform mit Parallelen zum Rassismus oder Sexismus unter Menschen gesehen.”

Vegetarier, Veganer oder Frutarier wo liegen die Unterschiede

Vegetarismus ist schon länger bekannt, als die daraus hervor gegangene extremere Form des Veganismus. Vegetarier verzichten auf das Essen von Fleisch. Milch, Eier, Honig oder weitere Produkte von nicht dafür getöteten Tieren sind bei den Vegetariern in der Regel erlaubt. Die Unterschiede in den verschiedenen Ausprägungen einer Fleischlosen Lebensform sind oft nicht klar abzugrenzen und die vegane Lebensweise wird auch als Unterform des Vegetarismus gesehen, genau wie die Frutarier. Frutarier leben den Veganismus in einer noch strengeren Auslegung. Sie streben laut Wikipedia eine Ernährung mit ausschließlich pflanzlichen Produkten an, die nicht die Beschädigung der Pflanze, von der sie stammen, zur Folge haben. Dazu gehören etwa Obst, Nüsse und Samen. Manche Frutarier verzehren nur Obst, das bereits vom Baum gefallen ist, aber auch Getreide, da es vor der Ernte schon als abgestorben gilt.

Studie zu Vegetarismus – Jung, weiblich, gebildet, in Großstädten lebend

Eine von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena durchgeführte Studie aus dem Jahr 2007 zeigt sehr schön die Zusammensetzung und Verteilung der Vegetarier in der Bevölkerung.

Die nachfolgenden Schaubilder basieren alle auf Zahlen aus der Studie:

Proch, J., Mitte, K., & Kämpfe-Hargrave, N. (2007). Influences of emotions on lifestyle: Disgust, morality and health as motives for vegetarianism. Unpublished manuscript, Friedrich-Schiller-University of Jena.

Darin finden sich meine eigenen Erfahrungen bestätigt, nach denen es sich bei vegetarisch / vegan lebenden Menschen in der Mehrzahl um junge, gebildete Frauen aus großen Städten handelt.

Die Zahlen im Einzelnen:

Die Gruppe unter der unter Dreißigjährigen macht über die Hälfte der Vegetarier aus. Schaut man sich die Schulbildung an, kann man davon ausgehen, dass die meisten einen Hochschulabschluss haben werden, wenn sie dafür alt genug sein werden.

Überwiegend Frauen entscheiden sich vegetarisch zu leben. Die Männer sind mit nur 30 % eindeutig in der Minderzahl.

Wer auf dem Land wohnt ist selten Vegetarier. Liegt das daran, das sich die Landbevölkerung noch nicht so weit von der Haltung und Schlachtung von Nutztieren entfremdet hat, wie die Stadtbevölkerung. Interessant wäre noch zu wissen, ob die kleineren Orte, in welchen auch Vegetarier wohnen gleichmäßig auf die Fläche des Landes verteilt sind, oder sich überwiegend in den Speckgürteln von Großstädten befinden?

Bei den angegebenen Religionen überwiegen die “Atheisten” mit 52 Prozent. Daraus könnte man auch schlussfolgern, dass es sich bei der vegetarischen Lebenshaltung auch um eine Art Ersatz-Religion handeln könnte.

Warum werden Menschen von Alles-Essern oder Omnivoren zu Vegetariern? Der in der Studie am häufigsten angegebene Grund ist der Tierschutz mit massiven 63 Prozent. Aber wovor müssen die Tiere geschützt werden? Vor dem Tod durch Schlachten? Vor einem nicht artgerechten Leben? Was ist artgerecht, für Tiere, die seit Jahrtausenden mit dem Menschen zusammen leben? Leben Hunde und Katzen artgerecht in den Wohnungen der Menschen?

Vegetarismus und Veganismus Entstehung

Vegetarismus und Veganismus muss man sich leisten können. Nur wer bei der Bedürfnisbefriedigung in den obersten Stufen der Pyramide von Maslov angelangt ist, kann es sich leisten. Schon in der Antike war der Vegetarismus auf die Oberschicht beschränkt.

“Er (der Vegetarismus h.s.) blieb stets auf eine relativ kleine Zahl von Anhängern beschränkt, die der gebildeten, philosophisch interessierten Oberschicht angehörten. Die große Masse der Bevölkerung ernährte sich notgedrungen fleischarm, da sie sich Fleisch nur gelegentlich leisten konnte; Fisch hingegen war ein beliebtes Volksnahrungsmittel.”

Wer Hunger hat und selten satt wird, dem ist es in der Regel egal, ob ein Tier für sein Überleben sterben musste. Nur wer sich jeden Tag der Völlerei hingeben kann, besitzt die Möglichkeit sich zu einer für den bewussten Veganismus notwendigen Geisteshaltung zu entscheiden. Aus meiner Sicht ist das ein first first World Problem. Nur Menschen die genügend Einkommen und Bildung haben und in großen Städten leben können es sich leisten vegan leben. Für die meisten sehr armen Menschen ist ein Stück Fleisch ein Geschenk.

Lebenseinstellung, Ernährungsform oder Religion

Wer sich vegetarisch, vegan oder anders ernähren will, soll das gerne tun. Aus meiner Sicht ist das jeder Frau und jeder Mann’s Privatsache. Auch ein Lebenseinstellung, Tiere als Freunde zu sehen und deshalb auf tierische Produkte zu verzichten ist in Ordnung. Solange Menschen mit dieser Einstellung so leben und andere in ihrer divergierenden Lebensweise akzeptieren ist daran nichts auszusetzen. Aber leider ist das bei vielen Veganern nicht der Fall. Wie einst Missionare wollen sie alle anderen Menschen davon überzeugen, das die eigene Einstellung und Lebensweise die einzig richtige ist.

Teilweise drohen Veganer sogar mit einer Zwangs-Umerziehung und Öko-Diktatur. Schon der amerikanische Professor William T. Jarvis von der Loma Linda University kritisierte das 1996:

Weil sie sich selbst als moralisch überlegen sähen, würden viele Vegetarier nicht vor der Anwendung von Techniken der Gedankenkontrolle und des Terrorismus zurückschrecken, um ihre Agenda zu verwirklichen. Gedankenkontrolle beinhalte die selektive Nutzung von Informationen, um Menschen über die angebliche Überlegenheit des Vegetarismus ‚aufzuklären‘. Es könne auch die emotionale Traumatisierung von Menschen beinhalten, um sie gegen die Nutzung tierischer Nahrungsmittel zu konditionieren.

Das eine solche Einstellung auch heute noch bei Veganern vorkommt beweisen die inzwischen wegen beleidigendem Inhalt gelöschten Kommentare einer Aktivistin zur WDR-Sendung Quarks und Kuh auf Facebook:

Ökodiktatur wie weit geht der Tierschutz Screenshot Facebook

Ökodiktatur wie weit geht der Tierschutz Screenshot Facebook

Veganer und die Landwirte – Zwei Minderheiten?

Inzwischen scheint die Minderheit der Veganer die Minderheit der Landwirte als Ziel entdeckt zu haben. Dabei machen die Landwirte nur ihren Job. Viehzucht, Milchwirtschaft und Fleischproduktion sind schon seit Urzeiten wichtige Aufgaben zur Versorgung der Menschen mit Nahrung. Wenn Veganer ein Umdenken in der Ernährung erreichen wollen, so müssen sie sich aus meiner Sicht darum bemühen die Mehrheit der Bevölkerung von ihren Zielen und Einstellungen zu überzeugen. In einer freien Marktwirtschaft bestimmt die Nachfrage die Produktion. Wenn weniger, oder gar kein Fleisch mehr nachgefragt wird, stellen sich auch die Betriebe darauf ein. Nur so wird ein Schuh daraus. Die Landwirte sind der falsche Ansatzpunkt. Landwirt Heiko Loskamp hat das auf Facebook aus seiner Sicht formuliert:

Nichts oder niemand auf diesem Planeten lebt ohne es auf Kosten anderer zu tun. Wir haben nur 100% Ressourcen. Mehr geht nicht… Also kann auch kein Veganer (Tierretter) am „Leben“ vorbei leben. Geht nicht. Nur unserer Finanzsystem gaukelt uns vor, dass man auf die maximal verfügbaren 100% noch Zinsen verlangen kann und bekommt. So! Ist diese Erkenntnis erst einmal verinnerlicht, muss man sich eben entscheiden. Will man ab und an mal einem Tier was klauen…oder „nur“ den Pflanzen? Das Prinzip ist manchem modernen Menschen einfach abhanden gekommen, dass die Tiere von den Pflanzen, die Pflanzen von den Tieren…und genauso auch Tiere von Tieren und Pflanzen von Pflanzen leben. Es geht so oder so nur auf Kosten anderer… Die einfachste Lösung besteht darin, Pflanzen Gefühle abzusprechen und so zu tun, als würden diese im Ökosystem aussen vor stehen. Ich habe noch relativ alte Bücher im Regal, in denen der „Weisse“ dem „Schwarzen“ die Teilnahme an der Evolution abgesprochen hat. Wenn man das tut, ist es auch einfacher, andere auszunutzen!……

Die Frage von Heiko, wo führt das hin, ist berechtigt. Veganer lehnen Produkte ab, die aus toten Tieren bestehen. Was dann nehmen? Kunststoffe aus Erdöl? Erdöl ist auch aus den Resten toter Tiere entstanden. Produkte aus Pflanzen, Holz, Papier? Auch dafür werden Bäume gefällt und Pflanzen verarbeitet. Wo führt diese Einstellung hin, in ihrer extremsten Ausprägung?

8 Gedanken zu „Zunehmende Entfremdung – Landwirtschaft und der Vegetarismus

  1. renovatio06

    Interessant. Gesundheitliche Motivationen für eine möglichst bewußte Ernährung kommen in dem Beitrag gar nicht vor. Die gibt es nämlich auch. Z.B. Unverträglichkeitsreaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel oder Produkte oder auf Inhaltsstoffe, die bei der Tiermast verwendet werden. Klingt mir ehrlich gesagt nach „Veganismus-/Vegatarismus-Bashing“. Auch die – für mich erstmal als reine Spekulation daherkommende, zahlenmässig nur dünn abgesicherte -Querverbindung „Veganismus=Ersatzreligion“ finde ich nicht seriös. Die anderen Zahlen mögen ja so stimmen, die Schlußfolgerung finde ich einseitig und nicht sachlich.
    Es läuft wohl auf Toleranz – auf beiden „Seiten“ – hinaus. Speziezismus unterstütze ich erstmal auch nicht, aber worauf die reine Angebots- und Nachfragedynamik hinläuft, sieht man ja allmählich auch: Auf einseitige, schieflastige Ausbeutung von Resourcen aller Art – einschließlich der derzeit global größten Resource: Des Menschen. Und die Landwirte sind mit einer immer schneller drehenden Produktivitäts- und Profitabilitätsschraube wohl u.a. als erste betroffen.

    Antwort
    1. Hannes Schleeh Autor

      Hallo Werner,

      richtig gelesen! Nach dem Tierschutz mit 63 %! ist Gesundheit mit 15 % die zweithäufigste Angabe. Also ist das doch im Beitrag drin! Die Spekulation mit der Religion ist zumindest nicht von der Hand zu weisen, wenn man dazu noch das missionarische Auftreten mancher Veganer in Betracht zieht. Das hat mit Veganismus-/Vegetarismus-Bashing nichts zu tun. Das sind Fakten und eigene Erfahrungen. Ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen aber leider habe ich bisher noch keinen Veganer persönlich kennen gelernt, der mich vom Gegenteil überzeugt hat. Ich habe einen sehr guten Freund, der schon seit Jahren vegetarisch lebt. Ich habe es auch schon selbst versucht, aber aus gesundheitlichen Gründen nach ein paar Monaten wieder abgebrochen. Ich möchte hier auch nicht Vegetrarier und Veganer in einen Topf werfen. Leider gibt es keine derartige Studie zu Veganern, wie mir die Uni versicherte.
      Bei der Toleranz auf beiden Seiten bin ich voll bei Dir. Es bringt niemandem etwas, wenn er sich auf Andere drauf stellt, um sich selbst zu erhöhen.

      Antwort
      1. renovatio06

        Ok, pardon, dann hatte ich leider zu wenig Sorgfalt bei der Lektüre walten lassen – ich entschuldige mich. Ja, bei der gegenteiligen Toleranz sind wir beieinander und wie gesagt, missionarischer Eifer ruft bei mir in der Regel auch Reaktanz hervor, eigentlich schon egal, um welches Thema es sich dann handelt. Man sollte – innerhalb der Grenzen der „Goldenen Regel“ und natürlich auch bestehender Gesetzeslage – anderen keine Entscheidung aufzwingen, schon gar nicht in Sachen Ernährung oder Lebensstil.

        Aber in Sachen Landwirtschaft und Ernährung scheint mir das Kernproblem eher tatsächlich die Art und Weise ihrer Produktion, der Produktivitäts- und Preisdruck – hier hängen immer noch die Plakate, mit denen die Bauern einen fairen Milchpreis einfordern – sowie der „ökologische Footprint“ zu sein. Nutztierhaltung in diesem Umfang und vor allem die Fleischverarbeitung, Logistik, Kühlkette usw. sind alles Faktoren, die absolut nicht nachhaltig sind. Man könnte sicher auch ähnliche Argumente für den Anbau von Getreide zur Treibstoffproduktion finden.
        Und damit habe ich es schon gesagt: Nachhaltiges Wirtschaften scheint mir das eigentlich zentrale und ethisch bedeutsame Überlebensthema der Menschheit zu werden. Und in Sachen Ernährung bzw. Nahrungsmittel eben die Frage nach deren Erzeugung (auch „Bio“ ist keineswegs Garant für gesundes oder qualitativ hochwertige Nahrungsmittel). Zu guter Letzt: Spekulationen auf Nahrungsmittel gehören wirklich verboten, m.E., da wird eine von vielen ethischen Grenzen weit überschritten…

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  2. Hannes Schleeh Autor

    Änderungen unserer Lebensweise als Spezies Mensch sind sicher notwendig, aber das kann man den Landwirten nicht allein aufbürden. Die Landwirte sehen sich durch Sendungen wie die von Quarks und Kuh zu unrecht in ihrer Arbeit kritisiert. Die Kritik kommt auch zunehmend aus dem Lager der Tierhaltungsgegner. Anscheinend hat diese Gruppierung einen größeren Einfluss auf die Medien als die Landwirte und deren Vertreter. Bei der Verteilung der Ausbildung in der gezeigten Studie und dem Drang sich für das „Leid der Tiere“ zu engagieren ist das auch kein Wunder.

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  3. gsohn

    Sehr gute Faktensammlung. Für die kritische Diskurs unverzichtbar. Es reicht ja nicht aus, nur gute Absichten zu haben und moralinsaure Botschaften zur Weltverbesserung abzusondern. Entscheidend sind Sein und Schein. Also was sind die ökologischen Konsequenzen einer veganen Lebensweise. Hat das was mit Nachhaltigkeit zu tun. Oder kommt unter dem Strich vielleicht sogar das Gegenteil heraus. Etwas bei der industriellen Soja-Produktion.Soja gilt als Eiweißalternative für Allergiker, als Jungbrunnen (kam in dem Vortrag auch vor), Schlankmacher (na ja), Wellnesswunder. Gesundheitsportale, Veganer- und Vegetariereforen, Reformhaus- und Naturkostmedien bis hin zu Wirtschaftsmedien und Publikumszeitschriften verbreiten die Story von der Wunderbohne aus dem fernen China. Miso, Tofu, Tempeh, Nato, Shoyu, Sojadrinks oder Sojabrot findet man in jedem Supermarkt. Ein industrielles Massenprodukt. Jahr für Jahr verdient sich das Soja-Big-Business eine goldene Nase – in den westlichen Ländern. In den USA stieg der Umsatz von 300 Millionen Dollar im Jahr 1992 auf vier Milliarden Dollar im Jahr 2008. Sojagetränke legten besonders kräftig zu und liegen bei knapp einer Milliarde Dollar. In Deutschland liegt der Verbrauch von Sojamilch und Sojamixgetränken bei rund 50 Millionen Liter. In den USA beansprucht mittlerweile die Sojabohne rund 22 Prozent der gesamten Anbaufläche mit mehr als 30 Millionen Hektar. Was an Regenwald in Südamerika für Sojabohnen und Palmöl-Plantagen flöten geht, dürfte auch bekannt sein. Von der längst industrialisierten und importabhängigen Biobranche wird gerne das Bild einer biologisch wirtschaftenden Kleinbauerfamilie vermittelt. Das ist ein grober Unfug. Nachhaltig und ökologisch ist das nicht. Die Ernährungsdebatte über Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren will ich hier jetzt nicht weiter ausführen. Sollten wir mit Experten in Bloggercamp.tv weiterführen. Beispielsweise über das Projekt „Die faire Milch“, wo Kühe wieder auf die Weide kommen, damit die Milch wieder zu besseren Omega-3-Werten kommt. Über den Einsatz von Soja und „Biosoja“ als Futtermittel sollten wir dann allerdings auch reden. Aber das ist nur einer von vielen Aspekten, wenn wir mal nicht über Glauben und Ideologie reden, sondern über Fakten.
    Der Punkt Welternährung sollte auch noch vertieft diskutiert werden, wo schon einige Male auf Wikipedia verwiesen wurden. Zum Thema Tierproduktion lesen wir folgendes: Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine regional begrenzte Reduktion der Tierproduktion nicht zwingend mit einer deutlichen Verbesserung der globalen Ernährungssituation einhergehen würde. 1998 wurde dazu am IFPRI eine Reduktion des Fleischkonsums in Industrieländern im Jahr 2020 auf die Hälfte des Niveaus von 1993 simuliert. Den Ergebnissen zufolge würden zunächst die Preise von Tierprodukten aufgrund eines Nachfragerückgangs sinken. Das hätte eine Konsumsteigerung von Tierprodukten in Entwicklungsländern von etwa 15 Prozent zur Folge. Die Konsumsteigerung bei Getreideprodukten in Entwicklungsländern wäre mit 1,5 Prozent vergleichsweise gering. In der Folge sei der Beitrag eines Verzichts auf Tierprodukte zur Ernährungssicherung gering. Weitaus bedeutender seien Effizienzsteigerungen der Landwirtschaft und Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Tierproduktion

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  4. renovatio06

    Ok, danke. Gute Faktensammlung, um die Haltung nochmal zu durchdenken – bzw. ggf. neu zu positionieren. Ich würde nur gern noch hinzufügen, dass ich Nachhaltigkeit und bewußten – also maßvollen, nicht ungezügelten – Konsum in direktem Zusammenhang bzw. sich gegenseitig bedingend sehe. Bei bald 9 Mrd. Menschen, von denen Millionen des Hungertods sterben, sollten die Erst- und Zweitländer vielleicht auch mal allmählich den Gedanken des begrenzten Konsumsverzichts mit in die Diskussionen und Argumentationen einfliessen lassen. Stichwort: Verzichtsbereitschaft, Genügsamkeit, nicht alles, was geht, muss auch usw.

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