„Zwischen Bullerbü und Tierfabrik – Warum wir einen anderen Blick auf die Landwirtschaft brauchen“


Zwischen Bullerbü und Tierfabrik von Andreas Moeller

„Wenn zwei sich streiten, schreibt der Dritte.“

Ein bemerkenswertes Buch ist in diesem Herbst erschienen: „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“. Der Autor Dr. Andreas Möller hat einen Blick von der Seitenlinie auf ein Spielfeld gewagt, wo die Protagonisten, bestehend aus grünen Interessensgruppen (inkl. Partei) sowie die Agrarbranche, sich seit Jahren in einem Streit über die Weiterentwicklung der Landwirtschaft in Deutschland befinden.

Andreas Möller hat die zunehmende Entfremdung zwischen Stadt und Land erkannt und will „die kommunikativen Gräben zwischen Kritikern und Kritisierten“ überbrücken. Er sieht eine „mediale Unwucht“ bei vielen Themen und Bildern der Landwirtschaft – die Kritiker kommen mehr zu Wort als die Landwirtschaft selbst. Gerade weil er kein Landwirt ist oder sonst wie mit der Landwirtschaft verbunden ist und auch nicht in einer Umweltschutzorganisation arbeitet, ist er vor dem Vorwurf eines Lobbyisten der einen oder anderen Seite immun. Auf dieser Ebene ist nämlich die derzeitige Debatte über die Agrarpolitik angelangt: Argumenten von Landwirten oder ihren Verbänden wird nicht mehr gehört, weil sie ja schließlich befangen seien, und ebenso könnten alle Argumente der Umweltschützer, die ja ebenfalls befangen sind, wertlos sein, sie sind ja nur auf Spenden aus.

Der Autor ist Kommunikationschef des Maschinenbauers Trumpf, der mit Laser Blech zerschneidet. Man hat den Eindruck, dass er mit diesem Buch ebenso scharf und präzise wie Laser viele blecherne Argumente in der Agrardebatte die Spitzen nehmen, in die richtige Form bringen oder gar komplett zerlegen möchte. Und das mit Erfolg. Er arbeitet präzise die Gründe der verklärten Romantisierung der Landwirtschaft heraus und führt den Leser durch historische Phasen, in der sich die Landwirtschaft zwar stetig veränderte, aber ohne dass das der Verbraucher, bzw. der städtische Bürger, richtig mitbekommen hat. Dass heute viele sich fremd gewordenen Städter und Agrarier nicht mehr verstehen können – oder gar wollen – ist die bittere Logik einer in vielen Richtungen auseinanderdriftenden Gesellschaft.

Das Buch „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“ sollten alle an der Agrardebatte Interessierten – und davon besonders die erhitzten Gemüter – lesen: Es bietet die Chance, dass jede Seite ein bisschen Einblick in die Perspektive der anderen gewinnt. Zudem lotet Möller viele Vorwürfe an die Landwirtschaft der letzten Jahre aus, inwieweit diese tatsächlich berechtigt sind oder nur durch eine mediale Hysterie zu überzogenen Forderungen an die Agrarbranche nun die Debatte dominieren. Ernst nehmen sollte die Landwirtschaft diese Debatten auf jeden Fall und „deren Verbände sollten eine glaubwürdige Schnittstelle zur Gesellschaft bilden, die auch von Kritikern respektiert wird.“

Sein Buch schließt mit zehn Vorschlägen für eine bessere Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft und fünf zusammenfassenden Beobachtungen zur Landwirtschaft heute und morgen und zu uns Verbrauchern.

Autor Möller plädiert mit diesem Buch „für einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Stadt und Land – jenseits von „konventionell“ und „bio““. Der Leser kann darin neue Einblicke in die Diskussion um die Landwirtschaft gewinnen. Er sollte aber bereit sein, dass dies seinen Blick auf die Landwirtschaft – und auch auf uns als Verbraucher – ändern könnte.

Dietrich Holler mit Andreas Möller im Gespräch über „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“:

 

 

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