Bauer Willi: „Brücken bauen – Horizonte erweitern – Mut machen“


Dr. Willi Kremer-Schillings alias „Bauer Willi“

1.300 Tage gibt es nun „Bauer Willi“, den bekanntesten Agrarblogger Deutschlands. Wir haben ihm aus diesem Anlass ein paar Fragen gestellt.

Wo hast du den Eindruck, nach dieser Zeit etwas bewegt, etwas verändert zu haben?

Was mir auffällt, sind seit etwa einem Jahr vermehrt Anfragen von außerhalb der Landwirtschaft. Wenn ich als traditioneller Landwirt von der Demo „Wir haben es satt“ als Redner angefragt werde, verändert sich doch was zwischen den Fronten. Gerade habe ich einen Artikel für die Zeitschrift „politische ökologie“ geschrieben, die im oekom-Verlag erscheint. Auf die Frage, warum sie da auf mich kommen, bekam ich zur Antwort: „Sie wurden uns von Greenpeace empfohlen“. Das passiert ja nicht vielen in der Agrarbranche. Und auch hier ist meine Meinung als traditioneller Bauer gefragt, ungeschminkt. Es scheint also ein Interesse an der Schilderung der Realität zu bestehen. Und das ist ja auch unser Ziel: Brücken bauen.

Wo bewegt sich nichts?

Überall bewegt sich was, aber bei unseren Bauernverbänden halt sehr langsam. Einige sind etwas flotter unterwegs, werden dann aber von anderen Landesverbänden oder der Zentrale wieder „eingefangen“. Meinungsvielfalt ist dort ein Problem. Ich habe auch den Eindruck, dass sehr viel Symbolpolitik betrieben wird, damit Änderungen möglichst vermieden werden. Und dann ist da noch der erkennbare Dissens zwischen DBV und DLG. Da wird jetzt zwar mit der gemeinsamen Ackerbaustrategie etwas Kosmetik betrieben, aber die unterschiedlichen Denkansätze sind doch erkennbar.

Taugt das Internet als Plattform für den politischen Diskurs oder macht uns das nur wütend aufeinander?

Ja, das geht auch per Internet. Allerdings auf unserem Blog deutlich besser als bei Facebook, wo es schon mal schneller unsachlich wird. Im Blog schreiben zwar weniger, aber dafür sehr viel überlegter. Man merkt den Kommentaren an, dass da ein ernsthafter Wille zum Dialog besteht.

Diskussionen drehen sich innerhalb definierter Communities oft im Kreis. Wie schafft man es, da mal auszubrechen und andere mit einzubeziehen?

Die Antwort auf diese Frage hätten wir auch gerne! Denn auch bei uns sind es oft die immer gleichen Kommentatoren. Was aber nicht heißt, dass da nicht auch andere mitlesen, die sich aber nicht zu Wort melden. Das weiß ich aus Rückmeldungen aus Bereichen, von denen ich nie geglaubt hätte, dass sie bei uns mitlesen. Gemeint sind vor allem NGOs. Und damit sind wir wieder bei der ersten Frage. Wir sind halt mit allen irgendwie verbunden, mit Bauern, Bürgern und Agrarkritikern.
Wie man es schafft, auszubrechen? Genau so: ausbrechen, also die gewohnten Denkmodelle verlassen. Das wird dann auch schon mal als Provokation verstanden. Und vielleicht ist es das auch. Um den Horizont zu erweitern, muss man den eigenen Standort verlassen.

Die Agrarbranche setzt heute immer noch auf Imagewerbung, statt den Aufbau ihrer eigenen Glaubwürdigkeit, ihrer Reputation zu fördern. Funktioniert das?

Ist das so? Ich sehe nichts von Imagewerbung der Agrarbranche. Und von Produktwerbung wie zu Zeiten der CMA auch nichts. Dabei wäre das doch im Bereich tierischer Produkte (Milch, Fleisch) sicherlich nicht verkehrt, oder?
Da scheint die Agrarbranche durch die Bank zu denken: „Es muss sich dringend etwas verändern, aber es darf nichts kosten“.

Welche Rolle spielen Agrarblogger dabei – insbesondere für Verbände? Wie gehen die klassischen „Branchen-Sprecher“ damit um?

Ich kann nicht für „die Agrarblogger“ sprechen, sondern nur für Bauer Willi. Ich habe keine aktiven Kontakte zu den Verbänden. Das ist bei anderen Agrarbloggern anders und deshalb werden diese auch von den Branchenverbänden „hofiert“. Man bleibt unter sich und lobt sich gegenseitig.
Bei Bauer Willi wird immer wieder versucht, ihn zu instrumentalisieren. Nur klappt das nie, weil ich großen Wert darauf lege, von niemanden vereinnahmt zu werden. Und dann gehört man auch nirgendwo richtig dazu.

Das klingt jetzt etwas frustriert. Woher nehmt ihr eigentlich eure Motivation? Ihr seid ja immer aktuell und bringt täglich etwas Neues.

Nein, so ist das nicht gemeint. Wir sind sogar stolz darauf, nicht zu dem einen oder anderen „Club“ verortet zu werden. So wirken wir nicht nur glaubwürdiger, sondern wir sind es tatsächlich. Das ist vor allem dann wichtig, wenn wir Kontakte außerhalb der Agrar-Szene, zum Beispiel den öffentlich-rechtlichen Medien, haben. Wir vertreten ja kein bestimmtes Geschäftsmodell und halten uns auch an keine Verbandsmeinung. Das wird geschätzt, weil wir nicht die üblichen Sprechblasen von uns geben. Und wer sich in den Wind stellt, muss akzeptieren, dass es auch Gegenwind gibt. Aber das ist ja das „Salz in der Suppe“. So wollen wir auch unseren Berufskollegen Mut machen, sich an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen.

Ein Gedanke zu „Bauer Willi: „Brücken bauen – Horizonte erweitern – Mut machen“

  1. Matthias Zahn

    Schönes Interview. Bleib unabhängig Bauer Willi! Gerade deine Unabhängigkeit macht dich glaubwürdig und authentisch. Ein großer Dienst für die Landwirtschaft! Danke……

    Antwort

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