Landwirtschaft „aus dem Bauch“ heraus erleben: Die Superkühe kommen


Am 4. September startet http://superkuehe.wdr.de

Dokus über die Landwirtschaft und die Situation auf den Höfen gibt es im Fernsehen satt. Der WDR startet am 4. September ein neues journalistisches Format –  „Sensorjournalismus“ – um die Milcherzeugung aus einer völlig anderen Perspektive zu beleuchten. Aus dem Bauch von drei Kühen heraus werden drei Höfe dreißig Tage lang die Zuschauer online über ihren Zustand „berichten“, – und nebenbei Thema in vielen anderen WDR-Sendungen sein.

Die Superkühe haben eine Sonde, einen sogenannten „Bolus“ der Firma SmaxTec geschluckt, der vom Pansen aus Daten sammelt und diese an ein computergesteuertes Monitoringsystem funkt. Aus diesen Daten will Wissenschaftsjournalist Dr. Jakob Vicari Textbausteine formulieren, und die Kuh über einen Chatbot zu Wort kommen lassen. Mit Technik aus dem Internet-of-Things kann eine Kuh dann Textbotschaften über ihren physischen Zustand senden.

Der Bierssenhof in Altenbeken

Was meinen die Landwirte dazu, die an diesem Experiment teilnehmen? Wir fragen bei allen drei Betrieben nach: Zuerst bei Bio-Betrieb Driller aus Altenbeken. Dort werden seit 2009 110 Hektar biologisch-organisch bewirtschaftet und mit 60 Kühen Biomilch erzeugt.

1. Warum nehmen Sie an diesem Projekt teil?

Andreas Driller: Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt stetig ab. Die Menschen verlieren den Bezug zur Landwirtschaft – viel wichtiger aber, sie verlieren den Bezug zu ihren Lebensmitteln und das Bewusstsein, woher sie kommen bzw. wie sie überhaupt produziert werden. An diesem Punkt möchten wir mitwirken. Natürlich könnte man meinen, wir hätten als Biobetrieb die besten Karten, aber geht es dabei um einen Wettkampf? Ich glaube nicht. Der Slogan des Projektes lautet doch: ,,Und welche Milch trinkst du?“ Wir möchten die Produktionsschritte unserer Milch darlegen und dem Verbraucher zeigen, was in unserer Milch steckt. Und wenn dies in Form einer neuartigen Sensorstory geschieht, bei der unsere ,,Superkuh“ das alles erzählt, hat das natürlich was Besonderes an sich.

2. Welche Chancen und Risiken könnte die Aufmerksamkeit der Medien für Ihren Betrieb haben?

Andreas Driller: Unsere Direktvermarktung in Form von Frischmilch und Produkten aus unserer hofeigenen Käserei ist noch vielen aus der Region unbekannt, natürlich ist das Projekt eine Chance, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Anfangs begleitete uns natürlich ein mulmiges Gefühl bei diesem großen medialen Auftritt, das ist Neuland für uns. Da wir allerdings offen und transparent mit der Geschichte umgehen, haben wir doch nichts zu verlieren.

3. Noch nie waren Journalisten so lange auf einem landwirtschaftlichen Betrieb dabei und konnten den Alltag erleben. Dürfen die auch mal richtig mit anpacken?

Andreas Driller: Natürlich, darauf legen wir besonders viel Wert. Ansonsten würde es den Journalisten auch an Glaubwürdigkeit mangeln, und das Ergebnis wäre mangelhaft. Grundlagentheorie haben sie sich bereits angeeignet, das merkt man. Nun sollen sie sich selbst ein Bild von unserer täglichen Arbeit und dem Leben unserer Kühe machen. Das kann man doch nur, wenn man mittendrin ist.

 

Weiterführende Links:

  1. www.bierssenhof.de Homepage Betrieb Driller
  2. www.superkuehe.de  Infoseite zum Projekt
  3. superkuehe.wdr.de Die ab 4. September aktive Seite mit den Chatbots der Superkühe
  4. www.smaxtec.com Hersteller des Pansenbolus
  5. WDR startet Medienprojekt „Superkühe“
  6. Superkuh-Betrieb Nr. 2: Bauernhof Höck aus Lohmar

5 Gedanken zu „Landwirtschaft „aus dem Bauch“ heraus erleben: Die Superkühe kommen

  1. Pingback: [Agrar-Blogger] Landwirtschaft „aus dem Bauch“ heraus erleben: Die Superkühe kommen

  2. Friedrich

    Was der WDR mit dieser „Big Brother Online“ für Kühe tatsächlich vorhat, wird man bald sehen.
    Großen Respekt an die teilnehmenden Höfe, besonders den konventionellen. Die Wahl des Siegers per Mausklick steht von vorneherein fest: Der Biobetrieb. Die Abstimmung an der Ladenkasse wird weiterhin andere Ergebnisse bringen.

    Antwort
  3. Pingback: Superkuh-Betrieb 3: Oyvernest Milch in Kleve | Die Agrar-Blogger

  4. Hamm Ute

    Superkuh! Hört sich alles gut an, artgerecht? Warum haben die Kühe keine Hörner? Die Hörner gehören zu einer Kuh und sind auch durchblutet. Warum kommen die Kälbchen nach der Geburt weg von der Mutter und werden mittels Milcheimer gefüttert? Ist das artgerecht?

    Antwort
    1. Sören

      Hallo Ute!

      Es gibt sehr praktische Gründe für die Entfernung der Hörner. Kühe sind Herdentiere, sie lieben es unter Artgenossen zu sein. Aber natürlich gibt es auch eine Rangfolge. Wer hat was zu sagen und wer nicht? Wer wird zuerst gemolken und wer muss länger warten? Da kann es schon mal zu Rangeleien kommen. Ohne Hörner werden Verletzungen dabei vermieden. Ein anderer Grund ist die Sicherheit der Tierhalter. Es muss gar kein Angriff sein, es reicht schon, wenn die Tiere mal kurz den Kopf ruckartig zur Seite bewegen, wenn man als Mensch danebensteht. Das tut schon weh. Mit Hörnern will ich mir das lieber nicht vorstellen.

      Welcher Umgang mit Kalb und Kuh der beste ist, wird in der Fachwelt schon länger diskutiert. Es gibt auch Modelle der muttergebundenen Aufzucht. Vielleicht stelle ich dazu demnächst mal einen Artikel zusammen.

      Antwort

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