Wunschküken


© Anatolii - Fotolia.com

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Von Dietrich Holler

Kleine tapsige Kinder und große, schon etwas flinkere, sind mit Körbchen unterwegs. Und natürlich macht es vielen Erwachsen ebenfalls Freude: Ostereier suchen. War der Brauch ehedem an Unschuld kaum zu überbieten, so liegt auf dem Spaß längst eine vielfältige Gewissenslast.
Zuviel Ei ist nicht gesund und Süßigkeiten sind ohnehin nur sehr restriktiv zu konsumieren, warnen strenge Ernährungsberaterinnen mit langen Doppelnamen und kurzem Haar. Falls sie Kinder haben sollten, macht es ihren Kleinen bestimmt große Freude, wenn sie das vegane Osterhäschen im Nest aus Dinkelspelzen entdecken.

Der Klassiker des schlechten Gewissens beim Eiersuchen, das „Käfighuhn“, kann nicht mehr so richtig thematisiert werden. Hierzulande ist dessen Haltung im doppelten Sinn ein „Auslauf-Thema“. Einerseits ist mehr Freiraum für die Legehennen vorgesehen. Andererseits legen jenseits der EU-Grenzen die Hühner ihre Eier weiterhin in Käfigen. Dass diese Eier im verarbeiteten Produkt auftauchen und somit in den Regalen des deutschen Einzelhandels landen, macht nichts. Das Ganze ist wohl zu komplex, auf dass es kampagnefähig werden könnte. Ein gutes Gewissen beim Eierkonsum muss ja nicht unbedingt einen vernünftigen Grund haben.

Bleiben die „geschredderten“ männlichen Küken als aktueller Aufreger rund um das Ei. Die Lösung verspricht das „Wunschküken“. Schon vor Schlüpfen soll dessen Geschlecht erkannt. Die Eier mit einem entstehenden männlichen Tier würden aussortiert.

Dem Tier bliebe Leiden und dem Medienkonsumenten schreckliche Bilder erspart. Das Ergebnis ist das gleiche wie beim Schreddern, denn die männlichen Tiere haben keine Chance, weil sie eben keine Eier legen. Sie schlüpfen nicht und kommen erst gar nicht zur Welt. Wenn das Schreddern der unerwünschten lebensfähigen Küken irgendwann ein Ende haben sollte, bleibt es für andere Lebewesen wahrscheinlich weiterhin erlaubt

Das „Zweinutzungshuhn“ gackert als Alternative zum Aussortieren der Jungs durch die Diskussion.  Wird bestimmt ein Renner, wenn es als weibliches Tier weniger Eier legt, als derzeit üblich für moderne Rassen und der „Bruderhahn“ das Futter schlechter verwertet, sprich „ansetzt“. Die Mast des Bruderhahns ist wesentlich kostenintensiver als jene seines konventionellen Vetters. Muss halt nur der Preis im Laden stimmen. Die wirtschaftliche Benchmark für das Fleisch der Zweinutzungsrassen ist das Standard-Tiefkühlhähnchen für weniger als drei Euro im Discount.

Und eines ist sicher: Wenn der Bruderhahn wider Erwarten zum Regelfall werden sollte, lässt er sich sicher genauso verramschen wie das aktuelle Angebot.

2 Gedanken zu „Wunschküken

  1. Pingback: [Agrar-Blogger] Wunschküken

  2. Helge

    Ich habe mit meiner Freundin grad erst ein nettes, denkmalgeschütztes Haus mit großem Garten gekauft, wo wir unter anderem auch einen Gemüsegarten anlegen und auch ein paar Hühner halten wollen. Daher ist das traurige Thema „Kükenschreddern“ nun auch bei uns ziemlich heiss diskutiert. Eine brauchbare Lösung, die für die männlichen Tiere tauglich wäre, wird man wohl leider so bald nicht finden. Aber ich persönlich finde das „vorher aussortieren“ immer noch humaner als die geschlüpften Küken dann grausam zu schreddern. Optimal ist das so natürlich immer noch nicht 😦

    Antwort

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