Landwirtschaft 4.0 – Der Aufbruch ins digitale Zeitalter


Auch in der Tierhaltng werden neueste Sensor-Technologien eingesetzt. (Foto: fodjan GmbH)

Auch in der Tierhaltung werden neueste Sensor-Technologien eingesetzt. (Foto: fodjan GmbH)

Wie Hightech den Arbeitsalltag des Landwirts verändert

Ein Gastbeitrag von Carsten Gieseler, fodjan GmbH

GPS-gesteuerte Landtechnik, Hightech-Drohnen und Software als intelligentes Managementtool – in Zeiten von Big Data überlässt der moderne Landwirt nichts dem Zufall.

In nur einer Saison müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren gilt es hierbei zu berücksichtigen, um das Optimum herauszuholen. Je besser der Landwirt diese Faktoren und vor allem sein Feld und Vieh kennt, desto gezielter kann er Entscheidungen treffen. Das bedeutet: Ein höherer Erlös. Um diesen zu erreichen, gilt es eine Menge an Daten aufzuzeichnen, zu überwachen und zu analysieren. Hier kommen modernste digitale Technologien zum Einsatz.

Der große Vorteil: Anhand dieser Technologien müssen viele landwirtschaftliche Aufgaben nicht mehr lange im Voraus geplant werden. Entscheidungen werden im Zeitalter kurzer Kommunikationswege ad-hoc getroffen. Die Digitalisierung tangiert immer mehr Lebensbereiche – so auch die Landwirtschaft – und schlägt beispielsweise den besten Zeitpunkt zum Düngen oder die gesündeste Futterzusammenstellung vor.

Häufig beginnt der Arbeitsalltag eines modernen Landwirts daher aus gutem Grund mit dem Blick aufs Smartphone oder auf den PC. Wetterprognosen, E-Mails und Marktpreise vom Getreide werden überprüft, der Tag danach ausgerichtet.

Precision Farming – der Roboter im Feld

Das zentimetergenaue Bewirtschaften von Ackerflächen ist eine hohe Disziplin, die viel Mühe und Genauigkeit voraussetzt. Für hochmoderne Mähdrescher und Traktoren stellt dies kein Problem dar. Im Gegenteil: Die neuesten Hightech-Geräte sind mit GPS ausgestattet und erfassen große Datenmengen wie Erntegut und Bodenbeschaffenheit. Mähdrescher speichern sogar die Menge, die sie geerntet haben sowie den Unkrautbestand. Alle aufgenommenen Informationen werden anschließend digital übertragen und weiterverarbeitet. So kann beispielsweise der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln genauesten geplant werden.

Auch aus der Luft können wichtige Schlüsse gezogen werden. Drohnen sind hier ein beliebtes Werkzeug um die Qualität des Getreides zu bestimmen. Weiterhin können dadurch Stellen mit schlechter Bewässerung leicht identifiziert und Maßnahmen getroffen werden. Auch das Bemessen von Feldern ist mittels Drohnen eine genaue und zuverlässige Methode.

Digitale Datennutzung in der Tierhaltung

Optimierungspotenzial gibt es nicht nur auf dem Feld. Auch in der Tierhaltung werden neueste Technologien eingesetzt. Hier kommen u.a. Funkchips zum Einsatz, die eine digitale Überwachung ermöglichen und somit Rückschlüsse auf das Verhalten der Tiere ziehen lassen.

Im Schweinestall werden die Tiere individuell erfasst. Informationen zur gefressenen Menge als auch zum Gewicht werden gespeichert und an den PC gesendet. Dort werden anhand von Verlaufskurven und Übersichten genaueste Auswertungen getroffen.

Auch in der Milchviehhaltung ergeben sich dadurch viele Vorteile. Besonders der Kalbungsprozess ist ein komplexes Thema, bei dem es gilt, zur richtigen Zeit an richtiger Stelle zu sein. Eingesetzte Thermometer vereinfachen hier die Überwachung der Kalbungsphasen. Der Landwirt kann somit genau nachvollziehen, wann eine Kuh besamungsbereit ist und wann ein Kalb zur Welt kommt. Sämtliche Informationen werden gesammelt, am PC ausgewertet und sogar per SMS an den Landwirt übertragen.

Selbst Krankheiten können schnell erkannt und behandelt werden. So zum Beispiel geben eingesetzte Sensoren im Pansen der Kuh Auskunft über den pH-Wert. Stoffwechselprobleme und Erkrankungen wie Pansenazidose können somit rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Ein weiterer großer Fortschritt in der Milchviehhaltung ist die Robotik. Diese nimmt dem Landwirt eine der zeitintensivsten Arbeiten ab: Das Melken. Moderne Melkroboter übernehmen diese Tätigkeit von allein. Der Landwirt kann seinen Arbeitsalltag viel flexibler strukturieren. Wenn eine Kuh kalbt oder es technische Probleme am Melkroboter gibt, wird der Landwirt per SMS benachrichtigt.

Auch die Fütterung kann bereits mittels innovativer Software effizient geplant werden. So nutzen moderne Landwirte ein Programm zur Rationsberechnung, welche gesündere und preiswertere Rationen vorschlägt.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Große Datenmengen ermöglichen dem Landwirt stets den Überblick über seine Prozesse und Leistungen zu behalten. Dies bedeutet: Mehr Ertrag und mehr Effizienz. Zahlreiche Hersteller stellen sich bereits der Herausforderung noch effizientere Geräte, Technologien und Software zu entwickeln, welche den Landwirt bei der täglichen Arbeit unterstützen.

Wer sich als kleiner Betrieb keine Hightech Maschinen leisten kann, dennoch nicht auf ihren Nutzen verzichten will, kooperiert mit anderen Betrieben. Sharing Economy ist auch im Bereich der Landwirtschaft angekommen und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Weiterhin ist feststellbar, dass zwar die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe stetig abnimmt, dafür aber die wirtschaftlich genutzten Flächen größer werden und auch die Anzahl der im Betrieb gehaltenen Tiere durchschnittlich zunimmt. Auch das Tierwohl wird zunehmend in den Vordergrund gestellt, so hat sich die Anzahl der Totgeburten stark verringert.

Nächster Schritt: Die digitale Vernetzung

Ein Großteil der landwirtschaftlichen Prozesse im Zeitalter der Digitalisierung wird bereits vom PC aus gesteuert. Mit voranschreitender Technik werden Landwirte in Zukunft immer größere Datenmenge nutzen.

Um den Marktanforderungen als auch den immer komplexer werdenden Dokumentationspflichten gerecht zu werden, arbeiten Hersteller als auch Softwareunternehmen an ausgeklügelten Programmen, welche die digitale Vernetzung von einzelnen Geräten und Verwaltungstools vorantreiben. Auf dem Vormarsch ist bereits eine digitale Plattform, mit der Hofkarten angelegt werden und Lagerbestände gespeichert werden können. Auch der Personaleinsatz kann von hier aus gemanagt und Aufträge geschrieben werden.

Die Digitalisierung hat wie in fast allen Lebensbereichen die Prozesse verändert und vereinfacht. Das „Internet of Things“ entwickelt sich im Agrarbereich zu einem wichtigen Innovationstreiber. Es ist absehbar, dass in Zukunft noch größere Datenmengen genutzt werden um die richtige Entscheidung für den Betrieb zu finden.

Ein Gedanke zu „Landwirtschaft 4.0 – Der Aufbruch ins digitale Zeitalter

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