Was frisst eigentlich eine Milchkuh?


Ein Gastbeitrag von Sören Schewe

MyKuhTube: Kuh-Müsli zum Frühstück

MyKuhTube: Kuh-Müsli zum Frühstück

Was frisst eigentlich eine Milchkuh? Darum ranken sich ja viele Mythen. Persönlich erinnere ich mich da noch an einen Bericht des Wissenschaftsmagazins Quarks & Co.: Man stopfe die Tiere voll mit Kraftfutter, um möglichst viel Milch zu bekommen. Das war nur eine der zweifelhaften Aussagen – und schlicht falsch, aber der Reihe nach.

In der modernen Milchvieh-Fütterung haben wir es grob mit zwei Arten Futter zu tun: Grundfutter und Kraftfutter. Beide Komponenten sind essentiell wichtig, um eine adäquate Versorgung heutiger Hochleistungskühe zu gewährleisten. Unter Grundfutter versteht man dabei den faserreichen Teil der Ernährung, während Kraftfutter den protein-, zucker- und Stärke-haltigen Teil übernimmt.

Auf dem YouTube-Kanal MyKuhTube begleiten einige Milchvieh-Halter des Landes Niedersachsen ihren Alltag mit der Kamera – und dazu gehört auch die Erläuterung des Futters:

Das richtige Verhältnis von Grundfutter zu Kraftfutter ist dabei unglaublich wichtig. Dabei geht es nicht nur um die Nährstoff-Aufnahme, sondern auch um die Gesundheit der Kühe. Der Grund liegt in der Verdauung der Rinder, die Wiederkäuer sind. Diese Eigenschaft ermöglicht ihnen Erstaunliches: sie können sich von Pflanzen auf Wiesen und Weiden ernähren, die für alle anderen Lebewesen dieses Planeten als Nahrungsgrundlage keinen Wert haben.

Gemeinsam stark

Allerdings schaffen sie das nicht ganz alleine. Für die Verdauung der Fasern stehen den Kühen ein paar kleine Helferlein zur Seite: Bakterien oder Mikroben, die die Fasern im Pansen in ihre Bestandteile zerlegen. Genau hier wird es jetzt spannend, denn jene Mikroben bevorzugen eine bestimmte Umgebung im Pansen, um ihre Arbeit effizient erledigen zu können. Entscheidend ist dabei der pH-Wert. Jene Mikroben, die besonders gut Fasern auseinander nehmen können, bevorzugen dabei einen pH-Wert um 6 herum, also eine leicht saure Umgebung. Aber eben nur leicht.

Das Problem

Was passiert jetzt also, wenn die Tiere zu viel Kraftfutter aufgenommen haben? Der pH-Wert des Pansens sinkt durch die schnelle Verdauung der im Kraftfutter enthaltenden Zucker und Stärke. Damit wird die Umgebung saurer und beeinflusst die dort lebenden Bakterien-Populationen, die sich den neuen Bedingungen anpassen. Das ist problematisch, denn solche Bakterien, die ein saures Umfeld bevorzugen, interessieren sich wenig für den faserreichen Teil der Ernährung, weshalb die Kühe weniger fressen und länger satt sind.

Grundsätzlich ist die Kuh aber durchaus in der Lage den pH-Wert zu regulieren. Eine wichtige Rolle nimmt dabei der Speichel ein, der als Puffer dient. Der Mechanismus ist recht einfach: faserreiches Futter muss von den Kühen vor dem Schlucken erst ordentlich eingespeichelt werden, der dann auf diesem Weg in den Pansen gelangt, um dort eine Übersäuerung zu verhindern. Beim Kraftfutter gibt es jetzt zwei Probleme: zum einen schmeckt es den Tieren sehr gut, zum anderen ist es recht schnell verdrückt. Das Einspeicheln fällt also ein ganzes Stück weit weg und damit auch der Puffer-Effekt im Pansen.

So wird dann eine Azidose begünstigt. Exakt so nennt man das Phänomen der Übersäuerung bzw. des sinkenden pH-Wertes, hervorgerufen durch zu hohe Kraftfutter-Aufnahmen und/oder die mangelnde Puffer-Wirkung des Speichels.

Jetzt wisst Ihr, warum das Märchen Kraftfutter vollgestopfter Kühe nicht stimmen kann. Schlimmstenfalls tote Kühe kann kein Landwirt gebrauchen. Aber auch kranke Tiere sind aus wirtschaftlicher Sicht eine Katastrophe, da mehr Kraftfutter eben nicht zu einer höheren Milchleistung führt, sondern genau das Gegenteil der Fall ist.

Kühe mit Halsband

Wenn Ihr mal einen modernen Milchvieh-Betrieb besucht, achtet genau auf die Tiere. Die tragen nämlich Halsbänder mit Transpondern, die wiederum von den Kraftfutter-Automaten ausgelesen werden. So wird sichergestellt, das jede Kuh nur eine bestimmte Ration bekommt und nicht mehr. Kommt eine Kuh öfter zur Ausgabe als erlaubt, kann der Automat das erkennen und gibt einfach kein Kraftfutter aus. Was wiederum in großen Haufen vor den Tieren ausgekippt liegt, ist der faser-reiche Teil der Ration, siehe dazu auch das Video oben.

Wenn Ihr Fragen habt, schreibt die ruhig in die Kommentare 😉

…Der Kanal MyKuhTube ist übrigens immer einen Besuch wert.

2 Gedanken zu „Was frisst eigentlich eine Milchkuh?

  1. Pingback: [Agrar-Blogger] Was frisst eigentlich eine Milchkuh? | netzlesen.de

  2. Pingback: Milchkuhhaltung früher und heute | Die Agrar-Blogger

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