„Grundnahrungsmittel“ für Nutztiere


Grassilage

Grassilage (Foto: DLG)

Ein Gastbeitrag von Sören Schewe

Wenn in thematisch breiter aufgestellten Medien über jene Futtermittel debattiert wird, die wir an unsere Nutztiere verfüttern, geht es meist um importiertes Soja oder um Nahrungsmittel, die an Tiere verfüttert werden statt direkt den Menschen zugute zu kommen – Zeit, sich diesen Komplex mal genauer anzuschauen.

Auf der Seite des DVT (Deutscher Verband Tiernahrung e.V.) finden wir eine Übersicht über die Zusammensetzung der insgesamt genutzten Futtermittel, die zu 89% aus Deutschland stammen. Eine „statistische Jahresration“ besteht dabei aus 52% Grünlandaufwuchs (also Gras und Silagen), 23-24% Mischfutter und 23-24% Hof-eigenes Getreide sowie zugekaufte Futtermittel.

Mischfutter wiederum bestehen aus Getreide, Ölkuchen (dazu gehört auch das viel diskutierte Soja), Mühlennachprodukte, zuckerhaltige Produkte, Mineralfutter, Futterfette und Maiskleber.

Bei dieser Übersicht fällt etwas auf: Zutaten wie Ölkuchen oder Mühlennachprodukte (hier sagt es schon der Name) sind Abfall-Produkte aus der Lebensmittel-Herstellung, für uns also nicht mehr nutzbar. Tiere können diese Reste aber noch verwerten. Auch beim Getreide, dem größten Anteil im Mischfutter, gibt es Besonderheiten, entscheidet hier doch die Qualität des Getreides über den Ort seiner weiteren Verwertung, sprich: eignet sich auch dieses nach eingehender Analyse nicht für die Bäckerei, kann es immer noch als Futter-Getreide nützlich sein. Das freut dann auch den Landwirt.

Schweine sind Allesfresser. Diese Eigenschaft hat sich die Landwirtschaft lange zu Nutze gemacht, indem übrig gebliebene Lebensmittel aus Großküchen erst erhitzt und dann an die Tiere verfüttert wurden. Das war eine tolle Sache, enthielten die Speisereste doch viel Eiweiß, Energie und weitere für die Mast hilfreiche Inhaltsstoffe. Zudem waren diese Reste sehr günstig. Richtig, das „war“ gut. Seit 2006 ist diese Möglichkeit EU-weit verboten, was nicht nur aus ökonomischer Sicht für die Landwirte ärgerlich ist, denn Speisereste fallen natürlich weiterhin an, sie werden jetzt allerdings in Biogas-Anlagen gekippt statt Schweine zu veredeln.

Sojaschrot (Foto: DLG)

Das wohl größte Reiz-Thema, wenn wir über Futtermittel-Importe reden, dürfte Soja sein. Dabei handelt es sich um eine Leguminose, die in großem Stil in Nord- und Südamerika angebaut wird und das als Sojaschrot tatsächlich auch eine wichtige Rolle als Eiweiß-Lieferant in der Tierernährung spielt.

Die weltweite Soja-Produktion liegt bei rund 265 Millionen Tonnen, der Ertrag variiert natürlich von Jahr zu Jahr. Deutschland importiert dabei rund 2 Millionen Tonnen Soja-Eiweiß. In einer Diskussion meines Blogs tauchte zu diesem Thema die Zahl 5 auf, also 5 Millionen Tonnen. Diese Angabe setzt sich aus 3 Millionen Tonnen Sojabohnen und 2 Millionen Tonnen Sojaschrot zusammen. Beim ZDS stehen die Details online, siehe unten.

Vor einiger Zeit sorgte die Ankündigung eines deutschen Geflügel-Produzenten, man wolle jetzt auch auf gentechnisch verändertes Soja in der Fütterung setzen, für große Aufregung. Am Ende gab es Entwarnung. Keine Änderung. Man werde weiterhin kein GV-Soja verwenden. Auch deshalb existiert ein Interesse an einer gewissen Unabhängigkeit von Importen, indem man z.B. Soja in Deutschland anbaut. Das Problem: kühle Temperaturen machen der Pflanze zu schaffen. Ist es dann warm genug, braucht sie viel Wasser, um wachsen zu können, weshalb seit 2011 standort-angepasste Sorten entwickelt werden.

Ausblick

Ein Termin, wann Soja zum ersten Mal zuverlässig, ausreichend und vor allem wirtschaftlich aus der Region kommt, steht allerdings noch aus – eine Eigenschaft der Forschung, man weiß nie, wann man am Ziel ist. Die nicht mehr erlaubte Nutzung von Großküchenresten als Schweinefutter erwähnte ich schon. In diesen Zusammenhang passt auch Tiermehl, das im Zuge der vermehrten BSE-Ausbrüche als Futtermittel gestrichen wurde. Wenn wir uns überlegen, dass bspw. Hühner keine reinen Vegetarier sind, gibt es hier auch keine Probleme bzgl. einer artgerechten Fütterung. Gut, in der Öffentlichkeit wäre eine Wiedereinführung dieser Praxis vermutlich ähnlich schwer zu vermitteln wie GV-Soja aktuell, weshalb das Szenario wohl Theorie bleiben wird.

Möglich wäre es aber, wenn sich die Sache mit regionalem Soja noch hinzieht oder am Ende vielleicht sogar als Luftnummer erweist.

Weitere Infos:

Ölsaaten EU
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

4 Gedanken zu „„Grundnahrungsmittel“ für Nutztiere

  1. Pingback: [Agrar-Blogger] “Grundnahrungsmittel” für Nutztiere | netzlesen.de

  2. Brigitta Blume

    „Eine Jahresration besteht dabei aus 52% Grünlandaufwuchs (also Gras und Silagen), 23-24% Mischfutter und 23-24% Hof-eigenes Getreide sowie zugekaufte Futtermittel.“

    Sorry, aber das ist so ziemlich mißverständlich. Kein Tier, das einerseits Grünlandaufwuchs bekommt, bekommt 48% KF (Mischfutter + Getreide). Bitte gebt doch wenigstens die Tierarten an, und schreibt dazu, ob TM oder Frischmasse gemeint ist.

    Antwort
  3. Rainer Winter Autor

    Hallo Brigitta, danke für den Hinweis, wir haben es nun “statistische Jahresration” genannt. Über Rationsberechnungen für verschiedene Tierarten wird es noch einen weiteren Beitrag geben.

    Antwort
  4. Pingback: Die Rückkehr des Tiermehls › Vom Hai gebissen › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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