Was weiß die Stadt vom Land?


Schweinemobil auf der Messe Land & Genuss

Das „Schweinemobil“ auf der Messe Land & Genuss

Welchen Bezug hat die städtische Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet zur Landwirtschaft und der Erzeugung von Lebensmitteln? Welche landwirtschaftlichen Themen sind für Städter besonders wichtig und welchen Stellenwert haben in der Region produzierte Lebensmittel? Diesen und weiteren Fragen ist die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in Zusammenarbeit mit Prof. Holger Henning Buxel von der Hochschule Münster nachgegangen. Und kam zu interessanten Ergebnissen: So ist das allgemeine Wissen rund um landwirtschaftliche Themen begrenzt und der Bedarf an Informationen zu landwirtschaftlichen Themen vorhanden.

Das Interesse der Städter, sich aktiv Informationen zu beschaffen ist aber nicht sehr ausgeprägt. Landwirtschaftliche Themen wie Regionalität, Umweltschutz und Tierwohl haben einen hohen Stellenwert, beeinflussen das Verhalten der Verbraucher bei der Wahl ihrer Lebensmittel und prägen das Image der Landwirtschaft in der städtischen Bevölkerung.

Die Ergebnisse im Einzelnen:
Im Rahmen der Studie wurden rund 400 Städter im Rhein-Main-Gebiet über landwirtschaftliche Themen, ihr Wissen darüber und ihre Einstellungen befragt. Der Untersuchung zufolge hat der überwiegende Teil der städtischen Bevölkerung einen gelegentlichen Bezug zur Landwirtschaft. 75% der Befragten haben schon mal einen landwirtschaftlichen Betrieb besucht, 33% in den letzten 12 Monaten. Auch kaufen 41% der Befragten öfter Lebensmittel direkt von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Es gibt jedoch auch einen Teil der städtischen Bevölkerung, der keinen erkennbaren Bezug zur Landwirtschaft hat. Dieser liegt bei ca. 19% unter den Befragten.

G 1a und 1b: Im Folgenden geht es um Ihren persönlichen Bezug zum Thema Landwirtschaft.
Welche der jetzt folgenden Aussagen treffen auf Sie persönlich zu?

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Das Interesse am Thema Landwirtschaft ist insgesamt durchwachsen. Zwar haben nur 4% der Befragten ein sehr geringes Interesse am Thema Landwirtschaft. Der Anteil der Personen mit einem sehr großen oder eher großen Interesse ist jedoch auch nur 36%. Innerhalb der vielfältigen landwirtschaftlichen Themen interessieren sich die meisten der Befragten am stärksten für die Themenfelder Tierhaltung (55%) und die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt (50%). Technikorientiertere Themenfelder wie moderne Landwirtschaft (26%) oder Technikeinsatz in der Landwirtschaft (16%) sind hingegen von deutlich geringerem Interesse. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen.

G 2: Wie groß ist Ihr persönliches Interesse an den einzelnen landwirtschaftlichen Themenfeldern?

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Kaum Kenntnisse über moderne Landwirtschaft
Die meisten Befragten beurteilen Ihr eigenes Wissen zum Thema Landwirtschaft als nicht so gut. Nur 38% der Befragten stuft das eigene allgemeine Wissen zur Landwirtschaft als gut ein, 62% hingegen als nicht gut. Bei populären Themen wie Bio-Landwirtschaft sind es nur noch 26% der Befragten, die das eigene Wissen als gut einstufen, beim Thema moderne Landwirtschaft sind es sogar nur 11%.

G 3: In wie weit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? Ich verfüge über ein gutes Wissen im Bereich …

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Es existiert ein Informationsbedürfnis zum Thema Landwirtschaft. 44% der Befragten geben an, dass sie gerne mehr über Landwirtschaft wissen würden, und 46%, dass das Thema Landwirtschaft in der täglichen Medienberichterstattung eine größere Rolle spielen sollte.

G 4: In wie weit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

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Im deutlichen Gegensatz steht jedoch das Informationsverhalten: Nur ein Anteil von 17% der Befragten gibt an, sich regelmäßig über neue Entwicklungen und Neuigkeiten aus dem Bereich Landwirtschaft zu informieren.
G 5: In wie weit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

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Als wichtige Ziele, die die Landwirtschaft verfolgen sollte, nennen die Befragten Städter vor allem die Produktion gesunder Nahrungsmittel und ein umweltschonendes und tiergerechtes Wirtschaften.

G 6: Wenn Sie einmal an die landwirtschaftlichen Betriebe im Rhein-Main-Gebiet denken, wie groß ist Ihr Vertrauen darin, dass die landwirtschaftlichen Betriebe im Rhein-Main-Gebiet …

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Die Verbraucher haben Vertrauen in die Produktion gesunder Lebensmittel. Sie glauben aber, dass es beim umweltschonenden und tiergerechten Wirtschaften Nachholbedarf gibt.

G 7: Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, dass die Landwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet …

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Regional produzierte Produkte haben einen hohen Stellenwert für die städtische Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet. 52% der Befragten finden es wichtig, möglichst viele Lebensmittelprodukte aus dem Rhein-Main-Gebiet kaufen zu können.

G 8: Im Folgenden geht es um regionale Lebensmittel. Gemeint sind solche Produkte, die im Rhein-Main-Gebiet erzeugt werden. In wie weit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

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Beachtliches Informationsbedürfnis
Das geäußerte Interesse an mehr Informationen zum Thema Landwirtschaft ist durchaus nennenswert. So geben 44% der Befragten an, dass sie gerne mehr über Landwirtschaft wissen würden, und 46%, dass das Thema Landwirtschaft in der täglichen Medienberichterstattung eine größere Rolle spielen sollte. Im deutlichen Gegensatz zum geäußerten Wissenswunsch steht jedoch das aktuelle faktische Informationsverhalten: Nur ein Anteil von 17% der Befragten gibt an, sich regelmäßig über neue Entwicklungen und Neuigkeiten aus dem Bereich Landwirtschaft zu informieren. Der Anteil der Befragten, die sich regelmäßig (mindestens einmal im Monat) über landwirtschaftliche Themen informiert, beträgt 33%. Deren Hauptinformationskanäle sind das Fernsehen, Internet und Tageszeitungen. Informationen aus Fachmedien und -organen spielen eine deutlich untergeordnete Rolle als Informationsmedien.

G 9: Informieren Sie sich regelmäßig (mindestens einmal im Monat) über landwirtschaftliche Themen, bspw. indem Sie Beiträge rund um das Thema Landwirtschaft in der Zeitung, dem Internet, dem Fernsehen oder anderswo verfolgen?

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Konkrete Erwartungen an die Landwirtschaft
Gefragt nach den Zielen, welche die Landwirtschaft verfolgen sollte, werden als besonders wichtige Ziele vor allem die Produktion gesunder Nahrungsmittel und ein umweltschonendes und tiergerechtes Wirtschaften angesehen. Deutlich unwichtiger sind Ziele wie die Produktion preiswerter Nahrungsmittel und möglichst vieler Nahrungsmittel.

G 10: Und welche der bereits genannten Ziele sind für Sie persönlich die drei wichtigsten Ziele, die die Landwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet verfolgen sollte? Bitte markieren Sie diese.

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Während die Produktion gesunder Nahrungsmittel von den meisten Befragten als gegeben angesehen wird, zeigt sich, dass es beim umweltschonenden und tiergerechten Wirtschaften noch Nachholbedarf gibt. So stimmen nur 32% der Befragten zu, dass die Landwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet das Ziel eines umweltschonenden Wirtschaftens sehr gut oder eher gut erreicht.

G 11: Wie gut werden diese Ziele aus Ihrer Sicht von der Landwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet heute erreicht?

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Hohe Relevanz regionaler Produkte
Von der Landwirtschaft vor Ort produzierte Produkte werden von der städtischen Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet besonders geschätzt. Mit Blick auf die regional produzierten Lebensmittel geben insgesamt 52% der Befragten an, dass sie es wichtig finden, möglichst viele Lebensmittelprodukte aus dem Rhein-Main-Gebiet kaufen zu können (Grafik 8).

Die Bedeutung der regionalen Lebensmittel spiegelt sich auch im täglichen Konsum wider. So geben 64% der Befragten an, dass sie in der Regel das Lebensmittelprodukt vom Anbieter aus dem Rhein-Main-Gebiet kaufen, wenn sie bei Lebensmitteln die Wahl zwischen zwei vergleichbaren Produkten haben, von denen eines von einem Anbieter aus dem Rhein-Main-Gebiet kommt. 43% sind sogar bereit, höhere Preise für regionale Lebensmittel zu zahlen als für vergleichbare Produkte, die nicht aus der Region kommen. Dabei sind zudem über 70% der Befragten der Meinung, dass die großen Lebensmittelhändler in ihren Supermärkten mehr regionale Lebensmitteprodukte aus dem Rhein-Main-Gebiet anbieten sollten. Grund für die Bevorzugung regionaler Lebensmitteln ist der lokale Wirtschaftsförderungsgedanke: Die regionalen Lebensmittel fördern vor allem aus Sicht der Befragten vor allem die Landwirte vor Ort und somit die regionale Wirtschaft.

G 12: In wie weit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

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G 13: Wenn Sie einmal an Ihren Kauf von regionalen Lebensmittel aus dem Rhein-Main-Gebiet im letzten Monat denken. Wo haben Sie diese Lebensmittel eingekauft? Bitte kreuzen Sie alles Zutreffende an.

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G 14: Sind Sie bei zwei vergleichbaren Lebensmittelprodukten bereit für ein Produkt aus dem Rhein-Main-Gebiet mehr zu zahlen als für ein Produkt, das nicht aus dem Rhein-Main-Gebiet kommt?

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G 15: Und welchen Preisaufschlag sind Sie maximal bereit für Lebensmittel aus dem Rhein-Main-Gebiet mehr zu zahlen als für vergleichbare Lebensmittelprodukte, die nicht aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen?

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Fazit
Das allgemeine Wissen rund um landwirtschaftliche Themen ist bei Städtern des Rhein-Main-Gebiets begrenzt. Auch das Interesse, sich aktiv Informationen zu beschaffen, ist nicht sehr ausgeprägt. Landwirtschaftliche Themen wie Regionalität, Umweltschutz und Tierwohl haben jedoch einen hohen Stellenwert, beeinflussen das Verhalten der Verbraucher bei der Wahl ihrer Lebensmittel und prägen das Image der Landwirtschaft in der städtischen Bevölkerung.
Für landwirtschaftliche Betriebe und Verbände besteht die wesentliche Herausforderung heute also darin, ihre Kommunikations- und Informationsaktivitäten künftig so zu gestalten, dass sie die städtische Bevölkerung mit ihrem limitierten Informationsbedürfnis und wachsenden Ansprüchen noch effektiver anspricht und ein klares Bild von der modernen Landwirtschaft sowie den Aspekten Regionalität, Umwelt und Tierhaltung vermittelt.

Demographische Angaben der Befragten:
G 16: Wie groß ist der Ort, in dem Sie im Rhein-Main-Gebiet wohnen?

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G 17: Altersstruktur:

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G 18: Geschlecht:

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(Guido Oppenhäuser, g.oppenhaeuser@DLG.org)

3 Gedanken zu „Was weiß die Stadt vom Land?

  1. Pingback: [Agrar-Blogger] Was weiß die Stadt vom Land? | netzlesen.de

  2. kai Schleyerbach

    Sehr gute Umfrage, erfreulich auch die gute Aufbereitung der Ergebnisse. Heißt aber für die aktiven Öffentlichkeitsarbeiter aus dem Agrarsektor, sie haben die Ohren von 20 maximal 30% der Bevölkerung. Also potenziell. Was ist mit dem Rest? Schmort in seinen Vorurteilen ohne Chance auf Erreichbarkeit?

    Antwort
  3. Pingback: Woanders – Der Wirtschaftsteil | Herzdamengeschichten

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