Der Fleischatlas und andere mediale Missverständnisse


Manche Zahlenwerke sind doch nur eine sehr magere Kost, wenn einer sich nur mal die Mühe macht, diese etwas genauer zu betrachten. Am 20. Dezember 2014 hat Georg Keckl ein interessantes 53 Seiten starkes Dokument auf seiner Internetseite http://www.keckl.de veröffentlicht. In seiner „Gegenrede zu den Fleischatlanten der Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique“ kritisiert der Statistiker des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik die „autistischen Sichtweisen vieler Fleischgegner“.

Keckel geht mit der Heinrich-Böll-Stiftung hart ins Gericht: Als gemeinnützige Organisation sei ihre satzungsgemäße Aufgabe die „politische Bildung im In- und Ausland zur Förderung der demokratischen Willensbildung, des gesellschaftspolitischen Engagements und der Völkerverständigung“. Dies sei mit den fehlerhaften Thesen und irreführenden Grafiken nicht in Einklag zu bringen. Viele Medien hätten die Aussagen des Fleischatlasses kritiklos übernommen – nur das Ökomagazin OneWorld.at aus Wien widerlegte auf seiner Internetseite http://www.oneworld.at/start.asp?ID=257327 die Ungereimtheiten und Fehler dieser Publikation.
Georg Keckl weist in seinem Artikel noch auf weitere mediale Missverständnisse und tendenziöse Berichterstattungen hin. Amüsant ist sein Hinweis auf „Wie man aus Resten ganze Schweinderl macht“. Hier entblößt er das verwirrende Zahlenspiel um Lebend- und Schlachtgewichte um daraus den Vorwurf „Schweine für den Mülleimer“ zu konstruieren.

Zum Thema „Multiresistente Keime“ bringt er weitere Zahlen und Statistiken in die Diskussion ein. So werden Viehdichte und die MRSA-Häufigkeit in Deutschland und anderen EU-Ländern gegenüber gestellt, und auch die fünf niedersächsischen Landkreise mit der höchsten Rate an MRSA-Fällen pro 100.000 Einwohner mit den fünf Kreisen mit den höchsten Nutztierzahlen pro Einwohner grafisch gezeigt.

Manche seiner Ausführungen mögen überzogen erscheinen, man merkt jedoch, dass dem Statistiker Georg Keckl angesichts des falschen Umganges mit den Zahlen in sog. Studien dann doch mal „der Gaul durchgeht“, sprich, er sich viel Frust vom Leibe schreibt. Seinen Ausführungen zu oft falschen, aber ständig in den Medien wiederholten Zahlen gehört von der Öffentlichkeit mehr Beachtung geschenkt. Mit einer einseitigen Darstellung und Faktenverdrehung kann keine sinnvolle Diskussion darüber stattfinden, welche Richtung die Agrarpolitik in der Zukunft nehmen soll. Daher: Lest mal den Keckl!

Inhaltsverzeichnis: „Der Anti-Fleischatlas“

1) Kritikfreier Raum? . 2
2) Eine entrückte Parallelwelt doziert  3
3) Das Schweinesystem  4
4) Exkurs: Vorteile einer modernen Schweinehaltung . 6
5) Wie raffiniert dem Wahn der Weg geebnet wird . 7
6) Des Kaisers neue Kleider: Quellwasser wird zu „Verbrauchswasser“ und alle schweigen  9
7) Noch nie eine Fleischtheke gesehen, liebe Heinrich-Böll-Stiftung? . 10
8) Exkurs Fleischverbrauch . 12
9) Argumente für die Tonne . 14
10) Exkurs: Statistik ist keine Buchführung  15
11) Wie man aus Resten ganze Schweinderl macht . 16
12) Exkurs: Multiresistente Keime  17
13) Sorge um den Süden oder Ausdehnung des Kreuzzuges in den Süden?  19
14) Völlig losgelöst, von der Erde . 20
15) Exkurs: Fisch, die neue Nutztierhaltung . 22
16) Mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch, oder umgekehrt?. 23
17) Handel? Nur nach unserer Pfeife!  25
18) Exkurs: Warum wir in Brasilien Sojabohnen kaufen sollten und die unseren Weizen . 27
19) Einfache Freund-Feindbilder statt der komplexen Zusammenhänge  29
20) Moderne Ställe und Züchtungen sparen Futter und Anbauflächen . 30
21) Das neue Bio-Bürgertum und das gute Gewissen  32
22) Veggiedays nehmen nun die Hintertür. 34
23) Schlachtfette im Diesel, Milchzucker im Benzin . 35
24) Ethischer Konsum für’s Volk, wie in der DDR . 37
25) Gängle mich, nimm mir meine Verantwortung, schalte mich gleich . 38
26) Biozalando: Schreib vor Glück  39
27) Fleisch ist Flächenverschwendung, es sei denn, die Verschwendung hat den Öko-Segen?  41 28) 2015: „Bodenatlas“ statt „Fleischatlas 2015“?  43
29) Exkurs: Der Trick mit dem Basisjahr . 43 30) Wir leben in einer „Bacterial World“!  44
31) Politisch „erwünschte“ und politisch verschwiegene Keimüberträger  45
32) Was ist eine artgerechte Hühnerhaltung? . 47 33) ZDF-Betroffenheitsjournalismus . 49
34) Keine Lehre aus 53 EHEC-Toten  53

Und hier geht es zum PDF-Download: http://www.keckl.de/texte/Anti%20Fleischatlas%20Georg%20Keckl.pdf

(Rainer Winter)

Ein Gedanke zu „Der Fleischatlas und andere mediale Missverständnisse

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