Ich bin für Massentierhaltung Screenshot WDR-Sendung vom 15.04.2013

Massenmenschhaltung – Warum tut niemand etwas dagegen?


Nach den letzten Skandalen in ostdeutschen Großbetrieben wird das Thema Massentierhaltung wieder durchs Dorf respektive die Stadt getrieben. Die Verfechter der Landliebe Landwirtschaft machen mobil auf Weihnachtsmärkten und im Internet. Der Begriff Massentierhaltung wird zum Synonym für Tierquälerei und Profitgier. Dabei werden die Landwirt einfach alle in einen Topf geworfen. Aber fangen wir mit den Fakten an. Was ist genau Massentierhaltung? Bei Google eingegeben findet man als ersten Beitrag die bezahlte Werbung einer Tierschutzorganisation. Mit solchen Themen lassen sich sehr gut neue Mitglieder werben oder Spenden eintreiben. Die Ausgaben für Google Adwords zu diesem Suchbegriff lohnen sich auf jeden Fall.

Massentierhaltung Suchergebnis bei Google

Massentierhaltung Suchergebnis bei Google Quelle: Screenshot Google Suche

Die genaue Definition von Massentierhaltung oder Intensivtierhaltung ist laut Wikipedia:

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) definiert intensive Tierhaltung als Systeme, in denen weniger als 10 % der Futtertrockenmasse dem eigenen Betrieb entstammt und in denen die Besatzdichte 10 Großvieheinheiten pro Hektar betrieblicher landwirtschaftlicher Nutzfläche übersteigt.[3] Nach einer Verordnung des Europäischen Parlamentes beginnt intensive Viehhaltung bei Anlagen zur Intensivhaltung oder -aufzucht von Geflügel oder Schweinen mit 40000 Plätzen für Geflügel, mit 2000 Plätzen für Mastschweine (über 30 kg), mit 750 Plätzen für Sauen und intensive Aquakultur bei einer Produktionskapazität von 1000 t Fisch oder Muscheln pro Jahr.[4]

Die Haltung von Tieren in größeren Menegn ist in unserer immer weiter spezialisierten Gesellschaft unausweichlich. Eine Tierproduktion wie sie früher statt gefunden hat, ist wirtschaftlich nicht mehr durchführbar. Für die Landwirte wird es immer schwieriger eine Familie mit dem von den Vorfahren vererbten Höfen zu ernähren. Nicht umsonst lautet ein gängiger Spruch in der Landwirtschaft: „Wachse oder weiche!“ Während man noch in den siebziger Jahren auf einem 60 Hektar-Betrieb ein Familieneinkommen erzielen konnte, braucht man dafür heute schon über 100 Hektar. Arbeitskräfte sind in Deutschland inzwischen so teuer, das man ohne Automatisierung und enormen Maschineneinsatz nicht wirtschaftlich produzieren kann. Selbst in den Entwicklungsländern werden deshalb zunehmend größere Ställe zur Tierproduktion und damit zur Nahrungserzeugung gebaut.

Die Auflagen und Gesetze, die ein Landwirt dabei befolgen und erfüllen muss, werden immer mehr. Steigende Nahrungsmittelpreise in Deutschland verpuffen oft auf den Konten der Lebensmittelindustrie und bei den Landwirten kommt nur ein Bruchteil davon an.

Landwirtschaft vor 100 Jahren

Landwirtschaft vor 100 Jahren Bild: Schleeh

Viele Verbraucher wünschen sich heute, das kein Tier zu Schaden kommen soll. Die Wenigsten wollen aber auf das Schnitzel, die Wurst oder den Sonntagsbraten verzichten. Wo das Ganze herkommt und das dafür Tiere ihr Leben lassen müssen ist in der industrialisierten Welt in die wenigen zentralisierten Schlachthöfe verbannt. In den Industriestaaten hat kaum ein moderner Mensch unter 40 jemals einer Schlachtung / Tötung eines Nutztieres beigewohnt, geschweige denn es selbst getan. Das führt zu einer Entkoppelung der immer weiter raffinierten Nahrung und deren Herkunft. Der Gipfel der Entkoppelung sind Werbeaussagen, die es dem Verbraucher verbieten, ein für den Toaster gemachtes Schnitzel als solches zu bezeichnen.

Auch bei Hamburgern und anderen gehackten Fleischprodukten ist die Herkunft von einem getöteten Tier nicht mehr zu erkennen. Sehr schön zusammen gefasst wird die beschriebene Diskrepanz in dem Satz auf Wikipedia:

In Umfragen zeigt sich, dass Verbraucher durchaus Bedenken zwecks Lebensmittelsicherheit und Haltungsbedingungen haben, dies jedoch ihre Kaufentscheidung häufig nicht beeinflusst.

Die meisten wollen günstiges Fleisch und besser nicht wissen wo es her kommt. Nur wenige wollen genau wissen woher das Fleisch kommt und wie die Tiere gelebt haben. Die Lebensmittelindustrie tut alles, um es dem Verbraucher so leicht wie möglich zu machen.

Deshalb kann man vielen Verbrauchern keinen Vorwurf machen, wenn sie sehr erschrocken und unsicher auf Bilder aus Schlachthöfen oder großen Mastställen reagieren.

Wie in allen Wirtschaftsbereichen, gibt es auch in der Landwirtschaft schwarze Schafe und aber sie machen nur einen Bruchteil aus. Trotzdem stürzt sich gerade die Presse genau auf diese Fälle, denn damit lassen sich mehr Zeitungen verkaufen und Zuschauer binden als mit langweiligen sauberen Zuständen in den meisten Ställen. Was viele Presseleute und Verbraucher vergessen, ist das sich mit kranken und in schlechtem Zustand befindlichen Tieren auch kein Geld verdienen lässt, zumindest nicht langfristig. Die meisten Landwirte haben auch eine Beziehung zu ihren Tieren, auch wenn das bei großen Ställen sicher pro Tier abnehmend ist. Heute wird der Gesundheitszustand der Tiere mit moderner Hard- und Software überwacht. Am Fress- und Saufverhalten der Tiere kann der Landwirt sehr schnell feststellen, ob es Krankheitsprobleme gibt. Die Tiergesundheit ist dann oft auch das Hindernis, Verbraucher unangemeldet und ohne Probleme in die Ställe zu lassen. Besonders Schweinehalter sind davon betroffen, da Schweine den Menschen ähnlicher sind als es diesen lieb ist und daher auch deren Krankheiten bekommen können. Um die Bevölkerung bei steigenden Lohnkosten und immer weniger in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen weiter ausreichend mit Nahrung versorgen zu können, ist bei der Stadtbevölkerung ein Umdenken erforderlich. Um das den Städtern klar zu machen, hat Brigitta Blume einmal versucht, das aus der fiktiven Sicht der Zuchttiere zu schildern. Zugegeben es ist etwas sarkastisch, aber es hilft das Ganze einmal aus einer anderen Sicht zu betrachten. Brigitta war so nett und hat uns erlaubt den auf Google Plus veröffentlichten Text hier einzustellen.

Liebe Stallgenossen! Sicher habt ihr schon einmal davon gehört, daß nicht alle Menschen so bequem leben wie wir und unser Personal. Es ist sogar das Gegenteil der Fall: die meisten Menschen leben in Massenmenschenhaltung (Kleingruppenhaltung in ausgestalteten Käfigen). Wir haben euch hier einmal ein paar Punkte zusammengestellt, die unserer Ansicht nach so nicht weiter toleriert werden können. – kein freies Futter! Anders als wir bekommen die Menschen kein freies Futter. Ihre Freßstände sind nicht frei zugänglich, und teilweise sogar nachts geschlossen. Das Futter ist nicht bedarfsgerecht zusammengestellt, so daß etliche Menschen (Zahl zunehmend) an Verfettung leiden.Der Bezug und die Einnahme von gesundheitsschädlichen Drogen wie Tabak und Alkohol ist ohne weiteres möglich. Die Rationen werden nicht kontrolliert, und niemand kümmert sich darum, selbst wenn die Ernährungsstörungen gravierende Schäden nach sich ziehen. Unsere Forderung sollte daher die: Zusammenstellung bedarfsgerechter Rationen für Menschen in jedem Alter und in jeder Leistungsstufe sein,  freier Zugang, mindestens jedoch eine Fütteunrgsfrequenz von 2x tägl. bei ständiger Kontrolle des Gewichts und des Gesundheitszustandes. (ggf Durchtreibewaagen wie sie für uns üblich sind) – Qualzuchten:  Menschen sind nicht mehr in der Lage, ihre Ferkel selbst zur Welt zu bringen! Während dies nach $11b Tierschutzgesetz und Tierzuchtgesetz verboten ist, werden Menschenweibchen zum Abferkeln in Abferkelställe verbracht, die zwischen und neben Krankenställen liegen., Hier muß zum Abferkeln ein Arzt eingreifen,. der Anteil der operativen Geburten liegt inzwischen bei über 30% und steigt weiter an (Vergl: Rind: 0,3%, Geburtshilfe <10%, Schwein <0,1%) .. Dies ist ein unhaltbarer Zustand, wir fordern daher, daß die Zuchtbedingungen für Menschen denen der Nutztiere angepaßt werden! – Einsatz gesundheitsschädlicher Stoffe : über 70% aller gebärfähigen  Menschenweibchen werden über Jahre täglich(!) mit Hormonen behandelt, obwohl es ausreichend alternative Methoden der Fruchtbarkeitskontrolle gibt.ieeingesetzten Hormone vergiften unser Trinkwasser! 90% aller Behandlungen mit Antibiotika werden ambulant durchgeführt, so daß weder eine Kontrolle über die Einnahme noch über die Entsorgung besteht, nur 10% werden in den Krankenboxen verabreicht, insgesamt jährlich bis zu 1600t dieser Medikamente (Quelle: AOK 2005, Helmholtz-Zentrum)  wandern völlig unkontrolliert und undokumentiert in die menschlichen Behausungen, das ist pro kg Menschengewicht doppelt so viel wie in der Nutztierhaltung (je kg Tier) eingesetzt wird. Dies führt selbstverständlich zu Resistenzen, in deren Folge die Wirkstoffe für uns in der Tierhaltung (nicht in der Menschenhaltung!) immer weiter eingeschränkt werden. . Wir fordern deshalb Anwendungs- und Dokumentationspflichten für die medizinische Behandlung von Menschen, die mindestens dem Standard in der Nutztierhaltung entsprechen und die halbierung des AB-Einsatzes auf ein in der Tierhaltung übliches Maß! – Hygiene, Seuchenschutz Zu den Abferkelställen wie zu den Krankenboxen hat jeder Zugang, eine Kontrolle auf Stallhygiene existiert nicht, nicht mal desinfizierende Fußmatten werden verwendet, es gibt weder im Außen- noch im Innenbereich Hygieneschleusen.  Dies ist umgehend anzuordnen. Ferner sind Bewegungs- und Verbringungdmeldungen, insbesondere ins Ausland, in einem EU-weiten Seuchenkataster zu erfassen, welches den Richtlinien für die Tiererfassung zu entsprechen hat. Kontrovers diskutiert wird derzeit die Freilandhaltung von Menschen. Obwohl sich einige Menschen durchaus gern im Freien aufhalten, und insbesondere im Sommer überall kleine, zeitlich begrenzte Menschenansammlungen in leichten, transportablen Hütten (sog. „Zelten“) anzutreffen sind, steht es doch außer Frage, daß auch die hier heimischen Exemplare auf Dauer ohne Witterungsschutz, Fütterung und medizinische Versorgung im Freiland nicht mehr überlebensfähig sind. Auch Offenställe, wie sie für einige Pferde und Rinder möglich sind, sind auf Dauer nicht geeignet. Menschen benötigen genau wie wir eine klimatisierte Umgebung, regelmässig bearfsgerechte Rationen und medizinische Versorgung (Dies gilt insbesondere für die Vermehrung / Aufzuchtphase, siehe oben). Ob es sinnvoll ist, einige Menschen wieder zurückzuzüchten um ihnen dann als sogenannte Robustrasse wieder ein weniger betreutes Leben zB in Wäldern zu ermöglichen, ist fraglich. Bisherige Versuche in dieser Richtung sind durch die in Tierkreisen allgemein anerkannte Ansicht, auch Menschen hätten Rechte, nicht offiziell in Angriff genommen worden. Ich bitte Euch alle, einmal über diese Zustände nachzudenken und verbleibe mit freundlichen Grüßen Euer Orwell der Eber & Nachkommen

Post von Brigitta Blume auf Google Plus

Wir arbeiten derzeit an Ideen, wie man Stadtmenschen die heutige Tierzucht und Landwirtschaft näher bringen kann und damit mehr Verständnis für diesen immens wichtigen Wirtschaftszweig erreichen kann. Es gibt inzwischen einige Ställe mit Webcams, die jederzeit einen Einblick in den Stall erlauben. Mit moderner Technik lassen sich sicher weitere aufklärende Massnahmen ergreifen, die zeigen, das die überwiegende Mehrheit der Landwirte das Tierwohl im Auge hat.

WDR-Sendung Gegen den Strich Massentierhaltung Ja bitte Screenshot

WDR-Sendung Gegen den Strich Massentierhaltung Ja bitte Screenshot

Jedem, der sich mit dem Thema Massentierhaltung beschäftigt, dem rate ich die Sendung des WDR anzuschauen. Dort wird das Thema sehr sachlich und ohne Landliebe dargestellt.

Ich bin für Massentierhaltung Screenshot WDR-Sendung vom 15.04.2013

Ich bin für Massentierhaltung Screenshot WDR-Sendung vom 15.04.2013

Ein Landwirt aus Schleswig-Holstein zeigt wie es in einem modernen Schweinezuchtstall aussieht und erklärt warum die Muttersau in einem Ferkelschutzkorb eingesperrt ist. Leider ist der Beginn des Videos mehr Landliebe als der Inhalt und der mehrfachen Aufforderung zum Dialog im Video kann weder auf YouTube (Kommentare sind gesperrt) noch auf der Seite des Bauernverbandes nach gekommen werden. 

Wer Anregungen und Ideen zu diesem Thema hat, kann gerne am Mittwoch den 11.12.2013 von 20:00 bis 21:00 Uhr auf Twitter am ersten Deutschen AG Chat teilnehmen. Die Idee zu AG Chat stammt aus den USA. Dort treffen sich Landwirte regelmäßig auf Twitter, um dort moderiert über Themen aus der Landwirtschaft mit Verbrauchern und Journalisten zu diskutieren.

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