Neue Plattform für Landwirte: Die Agrar-Blogger


Plattform für Landwirte

Immer weniger Landwirte ernähren immer mehr Menschen. Heute macht ein Landwirt alleine mehr als 140 Menschen satt. Im Jahre 1900 konnte ein Landwirt gerade einmal vier Personen ernähren:

„Das bedeutet aber auf der anderen Seite, dass immer weniger Landwirte immer mehr Nicht-Landwirten gegenüberstehen. Allein in den vergangenen 15 Jahren haben mehr als 200.000 landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Vor 25 Jahren war ein Landwirt mit 30 Hektar Fläche in der Lage, mit seinem Einkommen eine Familie zu versorgen. Heute müssen es in der konventionellen Landwirtschaft schon mehr als 100 Hektar sein. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das Bild der Landwirtschaft in der Gesamtbevölkerung aus? Es gibt immer weniger Menschen, die wirklich wissen, wie es in der Landwirtschaft zugeht, die wissen, wie sich eine Landwirtin fühlt oder ein Milchviehbauer denkt. Die Älteren unter uns haben irgendwo noch Verwandtschaft mit bäuerlichen Wurzeln. Daraus resultiert meist auch das verklärte Bild von Landliebe und Landlust“, schreibt Hannes Schleeh, Social Media-Berater und Mitorganisator des virtuellen Blogger Camps.

„Erinnerungen an die bäuerlichen Wurzeln verblassen bei jungen Menschen immer mehr. Dadurch wird der Abstand zwischen Landwirtschaft und Restbevölkerung immer größer. Viele Menschen empfinden Landwirtschaft heute als lästig. Der voll beladene Traktor mit seinen Kartoffelanhängern auf der Fahrt zur Stärkefabrik bremst den eiligen Nichtlandwirt aus. Der krähende Hahn oder das Geläut der Kirchenglocken, wird bei einem, der Ruhe wegen auf’s Land gezogenem Städter, schon mal zum Streitobjekt vor Gericht. Fernsehsendungen wie Bauer sucht Frau zeigen ein sehr verzerrtes Bild von Muttersöhnchen oder kontaktscheuen Einsiedlern. Mit der Realität haben sie wenig am Hut“, so Schleeh.

Wie sieht nun das Eigenbild der Landwirte aus? Landwirte, die heute noch ganz von der Landwirtschaft leben, seien Vollblutunternehmer, so Schleeh. Er machte dieses Thema in der zweiten Session des gestrigen Blogger Camps zum Schwerpunkt. In der Diskussion wurde deutlich, welche Herausforderungen mittlerweile bewältigt werden müssen, um bäuerliche Betriebe zu führen. Von Lebensmittelkunde bis zur Energiewirtschaft reicht das Kompetenzprofil der Landwirtin oder des Landwirts.

All das soll in diesem Blog künftig einfließen. Da Landwirte als Unternehmer wenig Zeit zum Aufbau eigener Blogs haben, bieten wir eine Möglichkeit an, gemeinschaftlich über das Berufsbild und die Themen der Landwirtschaft zu berichten. Weitere Gesprächsrunden im Netz werden folgen und im Frühsommer eine Liveberichterstattung via Hangout On Air direkt von einem bäuerlichen Betrieb. Vernetzt Euch!

6 Gedanken zu „Neue Plattform für Landwirte: Die Agrar-Blogger

  1. Joachim Ollig

    Klasse Thema! Sicherlich bedingt durch die Größe nicht in einem Hangout alles zu klären. Erst kürzlich hatte ich einen Bericht über die Monopolisierung der Großfirmen in den USA gesehen. (_Quelle:_ FOOD, INC. – WAS ESSEN WIR WIRKLICH? – http://bit.ly/VOI0TZ) Habe so die Befürchtung, dass dies sich auch so langsam aber sicher in DE abbildet. Denn der Druck wird ja schon von den Discountern stark angelegt – und somit fallen die kleineren schon unten durch. Qualität ist sicher der Punkt – aber wie weit sind die Nutzer bereit, dies mit zu tragen. Dieser Punkt kam ja auch schon im Hangout stark heraus!
    Derzeit ist ja gerade die große Diskussion auf allen Medien, dass Umschalten von Atomenergie auf die erneuerbare Energie! Jetzt wird dies ’schalten‘ sozialisiert – Alle müssen zahlen. Wirklich Alle?
    Nächste Baustelle wäre m. E. nach die Produkterstellung der Landwirtschaft bzw. der Erzeuger. In wie weit die Landwirtschaft aus eigener Kraft die Qualität in der heutigen Gesellschaft mehr in den Vordergrund geben kann – das wird die Aufgabe sein. Denn durch Aufklärung muss hier leider von Anfang an angeschoben werden.
    Finde Eure Sendung unterhaltsam – wenn dann auch zukünftig die kleinen techn. Bugs auf Seite gelegt werden. Schöne Weihnachtszeit! C:-

    Antwort
  2. gsohn

    Die technischen Bugs konnten wir leider nicht ausräumen, weil es mit den mobilen Geräten Schwierigkeiten gab, sich beim Live-Hangout einzuklinken. Aber vielen Dank für Deine Anregungen. Wird Hannes sicherlich aufnehmen. Ist ja eher sein Projekt 🙂

    Antwort
    1. Hannes Schleeh

      Vielen Dank, Joachim Ollig! 15 Jahren in der Landwirtschaft und 19 Jahren in der Gastronomie, die ja sehr stark von der Landwirtschaft abhängig ist, haben mir gezeigt, wie stark sich die Gesellschaft von der Urproduktion weg bewegt. Das wirkt sich nicht nur auf das Image der Landwirtschaft aus, sondern führt auch zu einer Entfremdung von den Lebensgrundlagen. Nicht ohne Hintergrund fordern die Landfrauen und der Bauernpräsident Walter Heidl in Bayern Alltags- und Lebensökonomie als Schulfach einzuführen. http://goo.gl/QjRer Viele Menschen können oder wollen gar nicht mehr gesund kochen. Zum Leidwesen der Gesundheit.

      Zu den technischen Bugs: Wir hatten gestern noch Glück. Heute habe ich gesehen, das Google am Montag an Youtube gearbeitet hat. Da können wir von Glück sagen, das die Sendung vor diesem Hintergrund so glatt über die Bühne ging. http://goo.gl/EyZzI

      Antwort
  3. Pingback: Wir suchen noch Landwirte zum Mitmachen – Die Agrar-Blogger feiern heute 1-Jähriges | Die Agrar-Blogger

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